Gäste feiern mit der Republik China den Nationalfeiertag
Ganz im Zeichen der Kultur wurde hierzulande am 10. Oktober der 81. Nationalfeiertag der Republik China begangen. Dieses Jahr gab es bei der traditionellen Parade vor dem Präsidentenpalast wieder viel zu sehen und zu hören, aber im Gegensatz zum Vorjahr stand sehr wenig Militärisches auf dem Programm. Da sah man bunte Tanzgruppen in traditionellen Kostümen, mit Fächern und anderen Requisiten bestückt, Studentenaufmärsche und Akrobatentrupps sowie Musikkapellen aller Art... Zu den Feierlichkeiten waren achtzig ausländische Würdenträger geladen, unter denen sich der Außenminister von Guinea-Bissau Bernardino Cardoso, der Sekretär des guatemaltekischen Präsidenten Mario Gonzalez, der britische Parlamentsabgeordnete William Powell und der Außenminister der Salomonischen Inseln Job Tausinga befanden. Eine Delegation des japanischen Parlaments gesellte sich ebenfalls zu den Ehrengästen; und der Präsident von Panama, Guillermo Endara, nahm das chinesische Staatsjubiläum als Anlaß zu einem viertägigen offiziellen Besuch, in dessen Rahmen er gemeinsam mit Präsident Lee Teng-hui ein Kommuniqué zur Ausdehnung der gegenseitigen Beziehungen unterzeichnete. Aus Deutschland erreichten telegraphische Glückwünsche von den Parlamentsfraktionen der CDU und CSU die Regierung auf Taiwan.
Besuche von politischen Vertretern aus dem Ausland
Vom 29. Augu t bis 2. September hielt sich Guatemalas Präsident Jorge Antonio Serrano Elias zu einem Staatsbesuch in Taiwan auf. In seiner Willkommensansprache bezeichnete Präsident Lee Teng-hui Serrano als intelligente und demokratische Führungspersönlichkeit, die seit dem Amtsantritt im Januar vergangenen Jahres die politische und wirtschaftliche Lage in Guatemala bedeutend verbessert und starken Rückhalt bei der Bevölkerung gewonnen habe.
Nach offiziellen Terminen mit Präsident Lee Teng-hui und Premierminister Hau Pei-tsun unterzeichneten Serrano und Lee Teng-hui zum Abschluß des Besuches eine gemeinsame Erklärung zur Verbesserung der wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern und diskutierten den baldigen Abschluß einer beiderseitigen Investitionsgarantie.
Auf einer Pressekonferenz am 2. September forderte Serrano die hiesige Geschäftswelt auf, Guatemala mit seiner Nähe und den wachsenden Verbindungen zu Mexiko als Sprungbrett in die nordamerikanische Freihandelszone zu nutzen. Er bekräftigte die Sicherheit von Investitionen in seinem Land und verwies darauf, daß die Visabestimmungen für Geschäftsleute aus Taiwan gelockert worden seien. Bauprojekte für Schiffs- und Flughäfen sowie verarbeitende und Montageindustrie seien besonders willkommen, betonte Serrano.
Am 2. und 3. September weilte der kanadische Minister für internationalen Handel, Michael Wilson, auf privater Basis in Taiwan. Seit 1970 hatte die Republik China keinen Ministerbesuch aus Kanada mehr empfangen, so daß Wilsons Aufenthalt hier Anlaß zur Hoffnung auf eine weitere Verbesserung der Wirtschafts- und Handelsbeziehungen gab. Der Besucher traf mit Präsident Lee Teng-hui und anderen hochrangigen Mitgliedern der hiesigen Regierung zusammen. Wilson drückte den Wunsch aus, daß bestehende Importbeschränkungen für kanadische Güter aufgehoben werden sollen, und lud Taiwans Wirtschaftskräfte zu Investitionen in Kanada ein. Der Politiker, der auch das kanadische Ministerium für industrielle Forschung und Technologie leitet, verwies auf die vorteilhaften Möglichkeiten für Investition und Export, welche Taiwan in der nordamerikanischen Freihandelszone offenstehen; ebenso sicherte er die Unterstützung seines Landes für einen eventuell bevorstehenden GATT-Beitritt Taiwans zu. In den letzten Jahren habe der Warenaustausch zwischen Kanada und Taiwan rapide zugenommen, meinte Wilson mit einem Verweis auf diesbezüglich gute Zukunftsaussichten. Das beiderseitige Handelsvolumen erfuhr 1991 im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 12,5 Prozent und erreichte damit 2,7 Milliarden US$.
Ebenfalls Anfang September ist eine siebenköpfige Delegation der kanadischen Handelskammer unter Leitung von John D. MacDonald nach Taiwan gekommen, deren Mitglieder im Laufe ihres sechstägigen Aufenthalts die Forderung nach einem restriktionsbefreiten Zugang auf den hiesigen Markt stellten.
Am 7. und 8. September gab die erste Konferenz der Kommission für multilaterale Zusammenarbeit in Taipei den Außenministern von Costa Rica, El Salvador, Guatemala, Honduras, Nikaragua, Panama und Belize Gelegenheit, neben einer verbesserten politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit zwischen ihren Staaten und der Republik China eine Verbesserung entsprechender Beziehungen untereinander zu diskutieren. Wie Beamte des hiesigen Außenministeriums erklärten, beobachtet die Republik China sorgfältig die regionale Integration in Zentralamerika, wo El Salvador und Honduras bereits eine Freihandelszone geschaffen haben, an der sich bald auch Costa Rica und Panama beteiligen sollen. Auch hat sich Taipei mit 150 Millionen US$ an einem Fonds der Zentralamerikanischen Bank für wirtschaftliche Integration (Central American Bank for Economic Integration) beteiligt. Im Laufe ihres Aufenthaltes trafen sich die Außenminister mit Präsident Lee Teng-hui, Premierminister Hau Pei-tsun und anderen hochrangigen Regierungsvertretern.
Am Abschluß der Konferenz stand die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung, in der sich die sieben vertretenen Nationen und die Republik China einen erweiterten Austausch auf diplomatischem, wirtschaftlichem und technischem Gebiet zusichern. Außerdem wird in der Erklärung ausdrücklich eine Beteiligung der Republik China am Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen GATT, am Protokoll von Montreal sowie an anderen internationalen Abkommen und Organisationen unterstützt. Schließlich verpflichteten sich die zentralamerikanischen Staaten, Investoren aus Taiwan Vorteile verschiedenster Art einzuräumen. Im Gegenzug stimmte die Republik China zu, eine "Struktur zur Integration Zentralamerikas" zu unterstützen sowie die Vergabe von Krediten zur Modernisierung verschiedener Wirtschaftsbereiche im zentralamerikanischen Raum zu erwägen.
Der belgische Außenhandelsminister Robert Urbain kam mit einer fünfköpfigen Delegation am 22. Oktober für einen dreitägigen Besuch nach Taiwan, Zweck seines Aufenthaltes war die Verbesserung der Zusammenarbeit in Handel und Tourismus zwischen Belgien und der Republik China. Im letzten Jahr beliefen sich Belgiens Exporte nach Taiwan, - vornehmlich Maschinen, mechanische Vorrichtungen, elektrische Geräte und organische Chemikalien -, auf 400 Millionen US$, während Taiwan Güter im Wert von 528 Millionen US$ nach Belgien exportierte. Außerdem wollten sich Urbain und seine Delegation vor Ort über die mögliche Entwicklung einer Taiwan, Hongkong und Festlandchina umschließenden chinesischen Wirtschaftsregion informieren. Minister Urbain hieß alle hiesigen Geschäftsleute willkommen, die in dem Beneluxstaat investieren wollen und versicherte weiterhin, daß sein Land die Republik China bei ihrem Aufnahmeantrag zu GATT und dem Protokoll von Montreal voll unterstützen werde.
Im Verlaufe des Besuchs kam Urbain mit Premierminister Hau Pei-tsun, Außenminister Fredrick Chien, Wirtschaftsminister Vincent Siew sowie mit Vertretern des Außenhandelsrats China (CETRA) und des Rates für Wirtschaftliche Planung und Entwicklung zu Gesprächen zusammen. Urbain kündigte bereits einen weiteren Besuch für nächstes Jahr an.
Russische Föderation und Republik China wollen Repräsentationsbüros einrichten
Wie der stellvertretende Außenminister John Chang am 8. September auf einer Pressekonferenz in Taipei verkündete, haben die Republik China und Rußland eine Vereinbarung zur Einrichtung von Vertretungsbüros, welche unter anderem Visa ausstellen werden, getroffen. Die drei unter Aufsicht des neugegründeten "wirtschaftlich-kulturellen Koordinationsausschusses Taipei-Moskau" einzurichtenden chinesischen Vertretungen werden in Moskau, St. Petersburg und Wladiwostok situiert sein, während die russischen Büros in Taipei und im südlich gelegenen Kaohsiung eröffnet werden könnten. Den Ausschuß leitet Vizeminister Chang. Für die russische Seite steht an der Spitze deren entsprechenden Koordinationsausschusses der Vorsitzende des Expertenrates von Präsident Jelzin und frühere stellvertretende Ministerpräsident der Sowjetunion Oleg Lobow, welcher vom 16. bis 22. September zur Diskussion der Detail auf Taiwan weilte. Direkter Handel mit Rußland begann im Jahr 1990 und macht derzeit nur 0,15 Prozent des Außenhandels der Republik China aus. Es wird erwartet, daß sich die bezüglich drastische Verbesserungen ergeben werden. Gegenwärtig sind auch die Einrichtung von direkten Schiffs- und Flugverbindungen und die Unterzeichnung einer Investitionsgarantie im Gespräch, wozu zum Abschluß des Lobow-Besuchs drei Protokolle unterzeichnet wurden. Direktflüge zwischen Taipei und Moskau könnten bis Ende 1993 realisiert werden, gaben Vertreter des hiesigen Verkehrsministeriums an.
Vom 13. bis 17. September war weiterhin der lettische Ministerpräsident Ivars Godmanis zu Besuch auf Taiwan, wo er mit Wirtschaftsminister Vincent Siew Gespräche führte, die sich auf die Einrichtung direkter Schiffs- und Flugverbindungen zwischen Lettland und Taiwan sowie auf die Eröffnung eines lettischen Konsulatsbüros in Taipei konzentrierten. Die Republik China hat bereits seit Februar ein Konsulat in Riga. Zum Abschluß der Visite erfolgte die Unterzeichnung einer Investitionsgarantie zwischen den beiden Seiten.
Ebenfalls vom Baltikum war Ende August der frühere Ministerpräsident Litauens Gediminas Vagnorius angereist gekommen. Er bemühte sich nach eigenen Angaben im Laufe seines siebentägigen Aufenthalts um ein Lernen von der "Taiwan-Erfahrung", um Lösungsmöglichkeiten für die wirtschaftlichen Probleme Litauens finden zu können.
Schließlich stattete Abas Abasow, stellvertretender Ministerpräsident Aserbaidschans, der Republik China mit Ankunft am 24. August eine Visite ab. Abasow wurde von Premierminister Hau Pei-tsun in dessen Amtsräumen empfangen und hielt im Verlauf des Treffens ein Referat über die Gegebenheiten seines ehemals zur Sowjetunion gehörigen Staates.
Österreichischer Wirtschaftsminister zu Gast
Daß die Alpenrepublik Österreich Interesse an der Beteiligung bei Projekten des hiesigen Sechsjahres-Entwicklungsplans hat, zeigte jüngst der Besuch des österreichischen Wirtschaftsministers Dr. Wolfgang Schüssel, der mit einer sechsköpfigen Delegation vom 11. bis 13. Oktober auf Taiwan weilte. Sein Besuch folgte dem des ehemaligen österreichischen Vizekanzlers Josef Riegler im August dieses Jahres. Minister Schüssel traf während seines Aufenthalts unter anderem mit Premierminister Hau Pei-tsun, Außenminister Fredrick Chien und Wirtschaftsminister Vincent Siew zusammen. Neben der Bereitschaft an der Mitarbeit bei Projekten wie Taiwans Schnellbahnsystem, Stahlwerkkonstruktionen und in der Umwelttechnologie bekundeten die Österreicher auch ihren Wunsch nach der weiterführenden Zusammenarbeit der staatlichen Betriebe beider Seiten. Das Wirtschaftsministerium der Republik China ließ wissen, daß man insbesondere auf die bekannten österreichischen Leistungen beim Tunnel- und U-Bahnbau ein Auge geworfen habe. Taiwan sollte mehr Importe aus dem mitteleuropäischen Land tätigen, regte Minister Schüssel an. Während Taiwan nach seiner Statistik im letzten Jahr Exporte im Wert von 326 Millionen US$ nach Österreich brachte, betrugen die Importe aus dem Alpenland nur 122 Millionen US$. Premierminister Hau betonte, daß sich die verbesserten Bedingungen bei der Visaausgabe sowie die Einrichtung von Direktflügen zwischen Taipei und Wien auf die Beziehungen zwischen den beiden Seiten positiv ausgewirkt haben.
Wirtschaftsminister Siew nach Deutschland
Als Leiter einer 15köpfigen hochrangigen Wirtschaftsdelegation reiste Minister Vincent Siew vom 16. bis 23. September nach Deutschland. Seine Visite erfolgte auf Einladung des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) und führte die chinesische Delegation nach Frankfurt, Köln, Bonn, Thüringen, Hamburg und Berlin. Ein Aufenthalt in Ostdeutschland diente zur Orientierung über die Situation sowie Investitionsmöglichkeiten in den neuen Bundesländern, zu denen Wirtschaftsminister Jürgen W. Möllemann die Besucher aus Taiwan ermunterte. Außerdem stand die Besichtigung von Anlagen zum Personalcomputerbau chinesischer Investoren in Sömmerda (Thüringen) auf dem Programm. Dies ist als besonders wichtiger Bestandteil der Reise gewertet worden, denn man hofft, daß "das östliche Deutschland den Unternehmen Taiwans als Sprungbrett für den osteuropäischen Markt dienen könnte", so Siew. Daß dies gelingen möge, dazu wird die kürzlich erfolgte Einrichtung eines Taiwan-Handelszentrums in Berlin durch den Außenhandelsrat der Republik China einiges beitragen. In der deutschen Presse wurde der Delegationsbesuch mit dem Schlagwort "eisbrechend" gekennzeichnet. Wirtschaftsminister Siew wurde von seinem deutschen Amtskollegen Jürgen W. Möllemann am 17. September zu einem Amtsgespräch empfangen und traf auch den deutschen Postminister Christian Schwarz-Schilling. Die Gespräche gingen unter anderem über die Möglichkeit zur Einrichtung eines Direktfluges Frankfurt-Taipei sowie über die Beteiligung deutscher Firmen an Großbauprojekten wie einer Hochgeschwindigkeitsbahn und einer U-Bahn auf Taiwan, wo sich in Verbindung mit dem laufenden Sechsjahres-Entwicklungsplan für deutsche Unternehmen vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten bieten. Der chinesische Minister verwies darauf, daß es der Wunsch seines Landes sei, "auch im Hinblick auf das wachsende Handelsdefizit mit Japan, auf deutsche Technologie umzusteigen." Andererseits hoffe er auch, daß deutsche Unternehmer das Potential der gut ausgebildeten Arbeitskräfte sowie die zentrale Lage Taiwans in Südostasien nutzen, um von dort aus den asiatisch-pazifischen Markt zu erschließen. Am 18. September nahm Siew an einem vom BDI unter Leitung des Vorsitzenden des Taiwanausschusses der Deutschen Wirtschaft, Carl-Heinz Illies, veranstalteten "Taiwantag" in Köln teil, bei dem deutschen Unternehmern erstmals eine umfassende Vorstellung von Taiwans Wirtschaft präsentiert wurde. Deutschland ist in Europa der größte Handelspartner Taiwans; der beiderseitige Handel betrug im Jahr 1991 6,9 Milliarden US$ und soll zukünftig weiter ausgebaut werden. Derzeit gebe es 120 Firmenvertretungen aus Taiwan in Deutschland und 80 deutsche Niederlassungen auf Taiwan, sagte Vincent Siew.
Zu gleicher Zeit, nämlich vom 16. bis 20. September, kam eine Delegation aus dem ostdeutschen Mecklenburg und Vorpommern nach Taiwan, wo sie Geschäftskontakte knüpfte und die chinesischen potentiellen Investoren dazu aufforderte, sich nicht durch die jüngst aufgetretenen Unruhen im Osten Deutschlands von verstärkten Wirtschaftskontakten abhalten zu lassen.
Engagement für neue deutsche Chinapolitik
Die Bundesrepublik Deutschland braucht eine neue Chinapolitik, davon ist Ortwin Lowack fest überzeugt, und für diese Überzeugung setzt er sich auch tatkräftig ein. Lowack, seit 1980 Mitglied des Deutschen Bundestages und seit 1988 Präsident der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft in Bonn, weilte vom 19. bis 24. Oktober auf Taiwan, um als Dank für seine Verdienste um die deutsch-chinesischen Beziehungen den "Preis für internationale Verständigung", die höchste Auszeichnung des Informationsamtes der Regierung, entgegenzunehmen.
Zu den Aktivitäten Ortwin Lowacks zählen die Herausgabe des Nachrichtenblattes "Freies Asien", die Veranstaltung von Seminaren und Wirtschaftskonferenzen sowie sein Appell an die deutsche Bundesregierung zur Unterstützung des GATT-Beitrittsansuchens der Republik China. Der in Bayreuth lebende Deutsche ist stellvertretender Vorsitzender der parlamentarischen Freundschaftsgruppe Bonn-Taipei und kam nun schon zum sechsten Mal nach Taiwan. Wie er meinte, habe - trotz des Studiums der Jura und Volkswirtschaft - sein Interesse für China mit der chinesischen Philosophie begonnen. Zu aktuellen Fragen konstatierte der Parlamentarier, er begrüße die eventuelle Einrichtung einer direkten Flugverbindung zwischen Taiwan und Deutschland. Er verlautete, daß die deutsche Regierung gegenwärtig einen möglichen Waffenverkauf an die Republik China diskutiere und erwähnte außerdem, daß in bezug auf das weltweite Radionetz Taiwan als neuer Standort für die Deutsche Welle in Frage komme. Des weiteren sprach sich Lowack für die Adoptierung eines direkten Wahlverfahrens bei der Präsidentenwahl auf Taiwan aus und meinte, dies werde dem internationalen Ansehen der Republik China zugute kommen. Ein Hauptzweck seines Besuches sei es, so Lowack, sich an Ort und Stelle ein Bild über die aktuelle politische Situation auf Taiwan, insbesondere in Anbetracht der Verfassungsreform und der bevorstehenden Neuwahlen des Legislativ-Yüans, bilden zu können.
Taiwan eine Bastion des Thatcherismus, lobt die "Eiserne Lady"
"Ich bin ermutigt zu sehen, daß der Thatcherismus auf Taiwan klar am Leben ist, gesund und munter!", freute sich die frühere Premierministerin Englands Lady Margaret Thatcher angesichts des "Wirtschaftswunders" Taiwans am 31. August in einer Ansprache bei einem formellen Mittagessen mit führenden Persönlichkeiten der Wirtschaft, das am Tag nach ihrer Ankunft zu einem viertägigen Aufenthalt auf Taiwan von der "Citibank of Taipei" veranstaltet wurde. Nun sei es an der Zeit, so Thatcher weiter, Handels- und Investitionsbarrieren abzubauen, was die Bereitschaft der internationalen Gemeinschaft, Taiwan an Organisationen wie dem Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen GATT teilnehmen zu lassen, noch erhöhen werde. Die Republik China müsse sich für ein offenes Welthandelssystem einsetzen, in dem konventionelle wie auch kulturelle Barrieren abgebaut würden, forderte sie und warnte, daß Protektionismus zum Ruin aller führen würde. Als Beispiel hierfür nannte sie die Sondervorschrift 301 des US-amerikanischen Handelsgesetzes. Die USA hatten, im Hinblick auf Vorwürfe der Verletzung von Urheberrechten, unlängst gedroht, Taiwan auf eine gemäß dieser Regelung erstellten Liste von Ländern zu setzen, die damit "besonderer Beobachtung" durch die USA unterworfen sind.
Weiter erklärte Lady Thatcher, sie halte es für verfehlt, gute Wirtschaftsbeziehungen von der Einhaltung demokratischer Prinzipien abhängig machen zu wollen, womit sie ihre Unterstützung für die Entscheidung von US-Präsident Bush ausdrückte, den Status des chinesischen Festlandes als meistbegünstigter Handelspartner der USA nicht von Demokratisierung und Menschenrechten auf dem Festland abhängig zu machen. Sie sei überzeugt, daß es fortgesetzte Wirtschaftsreformen und Industrialisierung seien, die schließlich zu Demokratisierung führten und diese Reformen also zu unterstützen seien. Mit Blick auf ganz Asien verwies Thatcher aber auch darauf, daß eine vollständige Modernisierung nicht möglich sei ohne Demokratisierung.
Die Sicherheit Hongkongs, so fuhr sie mit ihrer Erläuterung von Englands China-Politik fort, sei durch die Gemeinsame Erklärung von 1984 gewährleistet, welche wiederum von den Vereinten Nationen unterstützt sei. Schließlich müsse es Hongkongs Strategie sein, sich als unverzichtbarer Bestandteil der genannten Reformen zu disponieren. Eine Integrierung der Wirtschaften von Hongkong, des chinesischen Festlandes und Taiwans stehe unmittelbar bevor und werde eine Herausforderung für die gegenwärtige japanische Dominanz bedeuten. Lady Thatcher drückte außerdem ihre Hoffnung aus, daß England in der Zukunft "eine prominentere Rolle im Wirtschaftsleben Taiwans" spielen werde. Sie versprach, sich nach ihrer Rückkehr nach London ungeteilt für eine Verbesserung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen England und Taiwan einzusetzen. Am Tag nach ihrer Ansprache traf sie auch mit Außenminister Fredrick Chien zusammen, mit dem sie neben anderen internationalen Fragen die Beziehungen zwischen der Republik China und England diskutierte.
Im Anschluß an das Mittagessen war unter Ausschluß der Medien 20 Studentinnen und Studenten Gelegenheit zu einem kurzen informellen Gespräch mit Thatcher gegeben. Nach Auskunft der Teilnehmen standen dabei persönliche Aspekte im Vordergrund, beispielsweise der Inhalt ihrer Handtasche.
Am 1. September hielt sie außerdem in der Taipeier Sun-Yat-sen-Gedenkhalle vor einem gebannt lauschenden Publikum, unter dem sich die festlandchinesische Dissidentin Chai Ling befand, einen Vortrag über "Die Prinzipien des Thatcherismus". Neben einem Rückblick auf ihre Zeit als Großbritanniens Premierministerin und der Darlegung ihrer politischen Prinzipien verwies sie auf die fortgesetzte Bedeutung militärischer Stärke eines Landes und der gesamten westlichen Welt. Das Ende des Kommunismus im früheren Ostblock sei nicht allein auf Gorbatschow zurückzuführen, sondern ebenso auf die militärische Aufrüstung des Westens in den achtziger Jahren.
Am Abend des 1. September gab Präsident Lee Teng-hui ihr zu Ehren ein Dinner, auf dem sie mit ihrem Gastgeber Ansichten über die Entwicklung Taiwans und deren Gründe austauschte. Am letzten Tag ihres Besuches schließlich besichtigte sie das Nationale Palastmuseum, wo sie sich von den dort gezeigten Kunstschätzen und deren Wohlerhaltenheit sehr angetan zeigte. Dort traf sie außerdem mit Premierminister Hau Pei-tsun zusammen, welcher mit ihr über die Wichtigkeit, in Hongkong eine freie und demokratische Regierung zu erhalten, diskutierte. Er hoffe, erklärte Hau Pei-tsun, daß die britische Regierung ihr Bestes tun werde, um die Autonomie Hongkongs zu bewahren.
Deutsches Kulturzentrum in Taipei unter neuer Leitung
Im September dieses Jahres trat die neue Direktorin des Deutschen Kulturzentrums Taipei, Frau Heidegert A. Hoesch, ihr Amt an. Als ihre vorrangige Aufgabe sieht die neue Leiterin die Verflechtung der Aktivitäten des Deutschen Kulturzentrums mit dem kulturellen Leben vor Ort an. Sie plant, die Sprachkurse des Zentrums wieder auf das Niveau des "Zertifikat Deutsch als Fremdsprache" anzuheben, Mittelstufen-, Konversations- und Spezialkurse wie zum Beispiel Wirtschafts- und Handelskorrespondenz sowie Hotelsprachkurse neu einzuführen. Außerdem strebt sie eine enge Zusammenarbeit mit dem kürzlich gegründeten Germanisten- und Deutschlehrerverband an, dem sie auf seiner Gründungsversammlung Unterstützung in Form von Fortbildungsveranstaltungen zusagte.
Für die vielen mit Deutschland verbundenen Akademiker, Geschäftsleute, Künstler und Studenten will das Kulturzentrum mehr als bisher Anlaufstelle, Informations- und "Service"-Zentrum werden. Frau Hoesch betont besonders den Aspekt der Dienstleistung, den das Kulturzentrum neben dem Deutschen Wirtschaftsbüro für diese Zielgruppen anbieten will.
Dazu gehört auch die gründliche Revision und Erweiterung der Bibliothek als Medienzentrum, wo Informationen über Deutschland unterschiedlichster Art zur Verfügung stehen. Video- und Dokumentarfilme werden ebenso angeboten werden wie Musik- und Literaturkassetten, eine reichere Auswahl an Zeitungen und Zeitschriften, Lehrmaterial für Deutsch als Fremdsprache und Disketten, mit denen man an PCs sein Deutsch trainieren kann.
Auch im Programmbereich hat Frau Hoesch allerhand vor. So will sie unter anderem wieder die beliebten Film- und Videoabende im Auditorium des Kulturzentrums einführen. Außerdem sind für nächstes Jahr schon Kunstausstellungen geplant, Seminare und vielleicht auch ein Workshop mit einheimischen und deutschen Künstlern.
Auf Anregung der Festivalleitung hat sie zum diesjährigen "Golden Horse Film Festival" den Film mit Marlene Dietrich, "Der blaue Engel" und ein Portrait über die Filmdiva, "Portrait of Marlene", nach Taipei gebracht. Gerade auf dem Gebiet Film, aber auch in einigen anderen Bereichen, strebt sie mit den Vertretern der anderen europäischen Länder eine Kooperation an.
Frau Hoesch legt großen Wert darauf, daß das Kulturzentrum mit seinen Partnern auf Taiwan zusammenarbeitet, daß die Initiativen von beiden Seiten erfolgen und das Deutsche Kulturzentrum seine Rolle als Vermittler zwischen den beiden Kulturen begreift.
Europäische Schulen in Taipei auf neuem Gelände
Die "Deutsche Schule Taipei" begann dieses Schuljahr mit einem Ortswechsel. Nun haben die 64 Schüler und sechs Lehrer sowie zwei Kindergärtnerinnen nicht länger unter Platznot zu leiden, denn der neue Campus, der zuvor die amerikanische Schule beherbergt hatte und nach deren Auszug sechs Jahre lang leerstand, ist angenehm weitläufig. Das neue Gebäude bietet genug Platz für die "Englische Schule Taipei", die "Französische Schule Taipei" und die "Deutsche Schule Taipei", wobei sich die drei in einem Komplex situierten Lernanstalten jetzt zusammenfassend als "Europäische Schulen in Taipei" bezeichnen. Die nun etwas zentralere, dennoch aber relativ ruhige Lage im nördlich gelegenen Außenviertel Shihlin macht sich positiv bemerkbar. Nach einer kostenintensiven Teilrenovierung von einem Monat - unter anderem mußten die Klassenräume erst einmal mit Klimaanlagen ausgerüstet werden - führte am 2. Oktober bei herrlichstem Wetter der stellvertretende Außenminister der Republik China, John H. Chang, den Scherenschnitt durch. Als kulturelles Mittelstück der Eröffnungsfeier genoß hierauf das internationale Publikum einen traditionellen, artistisch anmutenden Löwentanz; die zwei kämpfenden und tanzenden Löwen hatte Vizeminister Chang zuvor durch Anpinseln ihrer Augen symbolisch zum Leben erweckt.
Die unabhängig voneinander gegründeten Schulen nützen auf einigen Gebieten die Möglichkeit zur vorteilhaften Zusammenarbeit. Zwar erfolgt der Unterricht der einzelnen Schulen jeweils in der eigenen Landessprache und richtet sich nach den Lehrplänen der Heimatländer; die Fächer Musik, Kunst und Sport werden aber zusammen besucht. Die insgesamt über 200 Kinder benützen gemeinsame Spiel- und Sportanlagen, der Schulbustransport wird gemeinschaftlich organisiert, die sozialen Kontakte der Schüler gestalten sich vielfältiger, und bei alledem hilft die Zusammenarbeit, die finanziellen Kosten in Grenzen zu halten. Trotz Spenden von in Taiwan präsenten europäischen Firmen stünden, so der deutsche Schulleiter Jürgen Voget, die noch lange nicht beendeten Renovierungsmaßnahmen zur Zeit einmal still, da sich die Finanzen erschöpft hätten; so hoffe man von seiten der deutschen Schule auf eine Unterstützung aus der deutschen Bundeskasse. Solch eine Förderung könne sich eventuell in Bälde ergeben, da für November in dieser Hinsicht eine Überprüfung durch das deutsche Erziehungsministerium vorgesehen sei.
In seiner Ansprache betonte Vizeminister Chang die Abhängigkeit der Erziehung von den umgebenden Verhältnissen. Der Vertreter der "Deutschen Schule Taipei", Dr. Horst J. Mück, sowie die Repräsentanten der englischen und französischen Schule und des in Taipei basierten Europäischen Handelsrats ließen alle herzliche Dankesworte an Vizeminister Chang und an die Regierung verlauten, deren tatkräftige Hilfe neben den emsigen Bemühungen engagierter Eltern und Firmen zur zügigen Realisierung dieses Projekts entscheidend beigetragen habe. Man hoffe auch auf eine positive Abwicklung der in Zukunft anstehenden Probleme. Das neue Schulhaus ist den europäischen Schulen vorläufig nämlich nur auf ein Jahr garantiert worden.
Vertreterin der AMK-Berlin auf Taiwan
Am 24. September stellte die Hauptauslandsrepräsentantin der Ausstellungs-Messe-Kongress-GmbH Berlin (AMK), Frau Petra Keitz, in einer einführenden Informationsveranstaltung den Unternehmern Taiwans wichtige Gelegenheiten für die Erschließung des europäischen Marktes vor. Durch die Teilnahme an internationalen Ausstellungen in der - durch die veränderte politische Lage in Deutschland und Osteuropa immer wichtiger werdenden - Bundeshauptstadt Berlin ergäben sich den hiesigen Geschäftsleuten vielfältige Möglichkeiten zu neuen Wirtschaftskontakten, berichtete die AMK-Vertreterin.
Die AMK ist eine Gesellschaft mit Hauptbeteiligung des Landes Berlin, die für die Planung und Durchführung von Messeausstellungen, Kongressen sowie Sport- und Unterhaltungsveranstaltungen in Berlin und anderen Ländern zuständig ist. Neben dem 100 000 m2 großen Ausstellungsgelände verfügt die AMK ebenfalls über das Internationale Congress Centrum (ICC), wo während der Messen wissenschaftliche Vorträge und Symposien gehalten werden, um Aussteller und Besucher mit mehr Informationen zu versorgen, das Angebotsspektrum der Veranstaltungen zu erweitern und diese auf eine höhere Ebene zu heben. Die Organisation hat Vertretungen in 54 Ländern auf fünf Kontinenten und wird auf Taiwan seit 1991 durch das Deutsche Wirtschaftsbüro Taipei repräsentiert.
Frau Keitz sagte vor über 120 Vertretern von Taiwans Wirtschaft, daß nach der Liberalisierung der Märkte im Osten Europas Berlin nun besonders attraktiv für Ausstellungen und Messen geworden sei, da sein wirtschaftlicher Einflußbereich von Skandinavien über die baltischen Staaten, Polen und die Tschechoslowakei bis nach Ungarn wirke; so hieß denn auch das Motto der Informationskampagne "Ausstellungen und Kongresse im Zentrum des Geschehens". Berlin nehme nun eine neue und wichtige Position im Zentrum der immer enger miteinander verbundenen europäischen Märkte ein.
Die AMK veranstaltet einige der bedeutendsten Messen auf der Welt, darunter:
- Die Internationale Funkausstellung für Verbraucherelektronik, die 1991 über eine halbe Million Besucher aus Ost und West anzog. Taiwan war mit elf Ausstellern vertreten.
- Die Internationale Tourismusbörse, an der Taiwan seit 1976 teilnimmt, in diesem Jahr mit 19 Ausstellern.
- Die Internationale Grüne Woche, welche sich auf die Themen "Landwirtschaft", "Gartenbau" und "Lebensmittelindustrie" spezialisiert hat und im nächsten Jahr auch eine Austellung für Obst und Gemüse mit Informationen zur Behandlung von frischen Landwirtschaftserzeugnissen umfassen wird.
- Die Import-Messe "Partner des Fortschritts", die mit ihrer 30jährigen Tradition eine bedeutende Rolle für den Handel zwischen Überseeproduzenten und europäischen Importeuren spielt. Taiwan ist schon seit 1962 vertreten, im Juni dieses Jahres mit zirka 70 Anbietern. Im nächsten Jahr wird sich die Messe auf Textilien, Leder-, Geschenk- und Haushaltsartikel konzentrieren.
- Die diesjährige Internationale Backausstellung, die 853 Aussteller anzog, darunter auch acht aus Taiwan, vielleicht zum Erstaunen derjenigen, die sich der zunehmenden Beliebtheit von Brot und Kuchen hierzuorten nicht bewußt sind.
Weiterhin wurde erwähnt, daß die Internationale Luft- und Raumfahrtmesse '92 nach sechzig Jahren wieder in Berlin stattfand. Die internationale Industrieausstellung für Wasserversorgung und -schutz wird 1993 durch einen Kongreß und die Informationsveranstaltung "Wasser ist Leben" ergänzt, und ein ganz neues Ereignis wird die SiTech sein, bei der 1993 erstmalig Sicherheitstechnik und -systeme vorgestellt werden, sowie die Modemesse "Moda Berlin". Des weiteren vorgestellt wurden unter anderem die Berliner Baumesse und die Autoausstellung. Über die Internationale Bootsmesse Berlin sagte Frau Keitz, daß sie auch für Taiwans Bootsbauer eine gute Gelegenheit biete, den europäischen Markt zu betreten.
Die Veranstaltungen der AMK konnten in den letzten Jahren einen bedeutenden Zuwachs verzeichnen: Zwischen 1990 und 1991 stieg die Zahl der Anbieter um über 700 und die der Messebesucher um über 300 000, darunter viele aus Osteuropa. Frau Keitz erwähnte, daß die AMK-Vertretungen in Ungarn, der Tschechoslowakei und Polen sich vor allem darum bemühen würden, Besucher aus diesen Ländern mittels Organisation von Fahrten auf die Messen nach Berlin zu bringen.
Sie drückte außerdem ihre Hoffnung aus, daß ein in der Zukunft einzurichtender Direktflug zwischen Taipei und Berlin bald Realität werden möchte und daß sie Vertreter Taiwans bald in Berlin begrüßen dürfe.
Ausstellung bringt Farbe in den nationalen Sechsjahres-Entwicklungsplan
Mit einer Ausstellung in der Sun-Yat-sen-Gedenkhalle soll der gigantische Sechsjahres-Entwicklungsplan der Bevölkerung nähergebracht und leichter verständlich gemacht werden. Die insgesamt 775 Projekte des Plans, für die über 300 Milliarden US$ veranschlagt wurden, sollen Taiwan in allen Bereichen modernisieren und auf den Stand einer Industrienation bringen. Die Regierung ist sich bewußt, daß sie zur erfolgreichen Realisierung des ehrgeizigen Vorhabens der Unterstützung von Bürgern und privaten Investoren bedarf. Die Ausstellung soll dafür Interesse und Begeisterung wecken.
In elf Abteilungen werden die Schlüsselprojekte des Entwicklungsplans vorgestellt, die da sind:
- die Schnellbahn, welche Taipeis Verkehrschaos in naher Zukunft lösen soll
- der Hochgeschwindigkeitszug von Taipei nach Kaohsiung, durch welchen die Fahrzeit von fünf auf unter zwei Stunden reduziert werden wird
- Umweltschutzprojekte, in deren Rahmen Klär- und Müllverbrennungsanlagen vorgesehen sind und Taiwan sauberer gemacht wird
- Pläne zur Lösung des Wohnungsproblems, zur Errichtung von Kraftwerken und für den Bau von zwei Dutzend neuen Colleges und Universitäten sowie
- Verbesserung und Ausbau des Sozialwesens.
All diese Projekte werden in Form von bunten Grafiken, Schaukästen und Modellen vorgestellt. Durch Fragespiele können die Besucher ihr Wissen testen, Kinder dürfen per Knopfdruck die Projekte, allerdings nur im Miniformat, zum Leben erwecken und Geschäftsleute nutzen die Gelegenheit und versorgen sich mit Informationen und Daten über Investitionsmöglichkeiten.
Die Ausstellung wird noch bis März nächsten Jahres in Taipei zu sehen sein.
Medizin: Knochenmarktransplantation erlaubt, Organspender rar, Silikon-Gele verboten
Wie das Gesundheitsamt der Republik China Mitte September entschied, soll die Transplantation von Knochenmark künftig nicht mehr den bisherigen Einschränkungen für Organtransplantationen unterliegen. Nach der bislang gültigen, 1987 erstellten Regelung durfte eine Transplantation ausschließlich dann durchgeführt werden, wenn das Spendermark von einem Familienmitglied des Patienten zur Verfügung gestellt wurde; mit dieser Bedingung suchte man dem Handel mit menschlichen Organen vorzubeugen. Nunmehr fiel diese Beschränkung. Das Gesundheitsamt legte die Revision der alten Regelung dem Exekutiv-Yüan vor und begründete die Liberalisierung mit dem inzwischen hohen Stand der Transplantationstechnik auf Taiwan, und auch da es für den Patienten nicht immer möglich sei, in seiner Familie den geeigneten Spender zu finden. Jedoch bleiben Verpflanzungen anderer innerer Organe den ursprünglichen Bestimmungen unterworfen.
Ein kürzlich erschienener Report zweier privater Organisationen machte den akuten Bedarf an Spenderorganen auf Taiwan deutlich. Zwar seien Frauen im allgemeinen eher zur Freigabe ihrer Körperorgane nach dem Tod bereit als Männer; die Anzahl der Spender sei aber viel zu gering, so daß im ersten Halbjahr 1992 85 Prozent aller verpflanzten Organe ohne vorherige Genehmigung des ursprünglichen Besitzers (wohl aber mit Erlaubnis der Angehörigen) entnommen worden seien. Zur Entschärfung der Situation plant das Gesundheitsamt nun die Förderung der Spendertätigkeit und unterstützt die Einführung von Spenderausweisen. Beispielgebend unterzeichnete die Leiterin des Gesundheitsamtes, Chang Po-ya, einen solchen Ausweis und gab somit ihre Organe nach dem Tod zur Verpflanzung frei.
In einer anderen Entwicklung sprach das Amt ein Verbot für Einfuhr, Erzeugung und Vertrieb von für Brustimplantationen verwendeten Silikon-Gelen aus. Bei Operationen zur kosmetischen Brustvergrößerung werden diese Substanzen häufig als Füllstoff verwendet; in letzter Zeit häuften sich jedoch die Berichte, derartige Einsätze würden mit den Jahren undicht und gäben schädigende Partikel an den Körper ab. Nach einem Jahr der Debatte folgte Taiwan hiermit der Entscheidung anderer Länder wie Frankreich, Australien und Kanada, welche die als krebserregend und das Immunsystem störend vermuteten Substanzen bei Implantationen nicht mehr zum Einsatz kommen lassen. Von seiten des Gesundheitsamtes wird als Hauptgrund für das Verbot die krebserregende Eigenschaft angegeben; jedoch werde es in Ausnahme- und Notfällen weiterhin Möglichkeiten zum medizinischen Einsatz der umstrittenen Silikon-Gele geben.
Plan für Computerunterricht vorgelegt
Das Computerzentrum des Erziehungsministeriums hat einen Plan vorgelegt, nach dem der Unterricht sowie der Gebrauch von Computern an allen Grund- und Mittelschulen verbessert und gesteigert werden soll. Angestrebt wird, daß innerhalb von vier Jahren jede Mittelschule über einen Computerraum mit mindestens vierzig Computern verfüge und an jeder Grundschule wenigstens zehn Computer vorhanden seien. Und es sei auch zu hoffen, daß die Zahl der computererfahrenen Lehrer ansteigen werde.
In der heutigen Gesellschaft sind Computer zu einem festen Bestandteil des täglichen Lebens geworden, und jeder muß sich den daraus erwachsenden Anforderungen stellen. Da darf auch die Schule nicht zurückstehen. Sie sollte Kinder mit den ersten Schritten am Computer vertraut machen und seine Einsatzmöglichkeiten als Informationsquelle, Hilfsmittel zum Beispiel bei Hausaufgaben und sogar als eine Art von Privatlehrer ausschöpfen.
Das letztendliche Ziel der Computererziehung in Grund- und Mittelschulen wird eine Unterrichtsform sein, die den Gebrauch des Computers in die Fächer Mathematik, Natur- und Sozialwissenschaften oder Englisch integriert. Gegenwärtig allerdings muß der Computerunterricht als eigenes Fach behandelt werden, da es an Lehrkräften und finanziellen Mitteln fehlt.
Kunstwerke aus Jade auf Tour in Europa
Für acht europäische Länder gibt es in den nächsten drei Jahren die Gelegenheit zu einem näheren Blick auf chinesische Glanzstücke aus Jade. 123 Exponate von aus der Ch'ing-Dynastie (1644-1911) stammenden Kunstwerken gehen auf Ausstellungsreise nach Belgien, wo am 20. Oktober im Brüsseler Königlichen Kunstmuseum bereits Debüt war, und von dort nach München, Paris, Stockholm, Rom, Wien, Madrid und Kopenhagen. Dieser Kunstaustausch, der wegen des großen Erfolges im Vorjahr - wo die einmaligen Jadestücke in Südafrika und Pretoria zur Ausstellung gelangten - auch schon als "Kulturdiplomatie" bezeichnet wurde, steht unter der Schirmherrschaft des Nationalen Geschichtsmuseums der Republik China. Die Ausstellungsstücke stammen aus der Privatsammlung von Yeh Po-wen. Unter den klassischen Kunstwerken sind viele aus der Periode des Herrschers Chien-lung (1736-1795), der ein geradezu fanatischer Jadeliebhaber gewesen sein soll. Des weiteren findet man den aus dem äußersten Westen Chinas und aus Nordindien kommenden "Hindustani"-Stil vertreten, welcher sich durch hauchdünne, mit Einlagen versehene Arbeiten auszeichnet. Die Stücke profilieren sich besonders durch ihre Eleganz und ihren preislosen Wert. Gemäß Aufzeichnungen aus der Ch'ing-Zeit betrug die für eine verzierte Jadeschale benötigte Fertigungszeit durchschnittlich 266 Stunden; an einzelnen Exponaten aber hätte die beträchtliche Anzahl von 150 000 Handwerkskünstlern über eine Periode von zehn Jahren hinweg zu schaffen gehabt.
Briefmarkenfieber auf Taiwan
Die Philatelie ist ein beliebtes Hobby auf Taiwan und wird zunehmend auch zu einem Investitionsgeschäft. Nach dem Börsenkrach in den späten achtziger Jahren wandten sich immer mehr Spekulanten der kleinen Marke zu. Als am 29. April dieses Jahres die Oberpostdirektion einen Satz von vier Sammlermarken in einer Auflage von 6,5 Millionen herausgab, standen Tausende von Leuten stundenlang Schlange vor Taiwans Postämtern. Kein Wunder, daß die Briefmarken innerhalb weniger Stunden ausverkauft waren. Die vier verschiedenen bunten Motive stellen chinesische Kinder beim Spiel mit eisernen Reifen, aus Eßstäbchen gefertigten Holzgewehren, bei einem Wettkampf im Gras und beim Stelzen auf Blechdosen dar und sollten laut Angaben der Oberpostdirektion einen Begriff von typischen einheimischen Kinderspielen vermitteln.
Als Besonderheit wurden am 15. April, aus Anlaß der chinesischen Briefmarkenausstellung in Hongkong, weitere 2,5 Millionen Exemplare auf Taiwan gedruckt, diesmal mit dem zusätzlichen Vermerk "Chinesische Briefmarkenausstellung-Hongkong". Einige der passioniertesten einheimischen Sammler oder Spekulanten, die in Taiwan zu spät gekommen waren, flogen nach Hongkong, wo weitere 700 000 Exemplare zum Verkauf standen, aber ebenfalls in kürzester Zeit vergriffen waren. Der Vierersatz wurde zu einem Preis von 20 NT$ (0,80 US$) oder 10 HK$ verkauft und stieg am gleichen Tag noch auf das 12fache des Wertes im Handel unter Sammlern an.
Aber die Briefmarkeninvestition ist kein risikoloses Geschäft, denn zu viele Mitspieler können den Markt zum Einsturz bringen. Philatelisten sagten aus, daß der hiesige Briefmarkenmarkt bereits ausgereizt sei. Auf Taiwan gibt es ungefähr eine Million Briefmarkensammler, wovon die Hälfte Spekulanten seien. Ein Sammler beklagte sich, daß die neuen skrupellosen Geschäftemacher die ehrwürdige Kunst des Briefmarkensammelns ruiniert hätten. Beamte der Oberpostdirektion führten den Briefmarkenboom auf den Anstieg von Sondermarkensammlern und einen Kapitalzufluß aus dem schwachen Börsenmarktgeschäft zurück. Der Direktor der Oberpostdirektion, Hsu Chieh-kwei, gab an, daß das Amt die Spekulation mit der Briefmarke nicht gerne sähe. Das Wichtigste für Sammler sollte die Freude am Sammeln sein und der Wert der Marken würde natürlicherweise mit der Zeit steigen; die Geschäftemacherei aber sei äußerst schlecht.
Die Oberpostdirektion kann sich eigentlich nicht beklagen. Ihre Einkünfte aus dem Briefmarkenverkauf lagen im letzen Jahr bei der Rekordsumme von über 46 Millionen US$, was einen Anstieg von 230 Prozent im Vergleich zu 1990 bedeutete. In den vergangenen zehn Jahren gab es durchschnittlich zwei Briefmarken-Neuerscheinungen pro Monat, die jeweils ungefähr drei Wochen vorher durch Plakataushänge in den Postämtern angekündigt wurden.
Mit der Neuausgabe vom 9. Oktober wollte die Oberpostdirektion klassische Seidenkunstwerke Chinas aus der Sammlung des Nationalen Palastmuseums in Taipei vorstellen. Die zwei Briefmarken im Wert von 5 bzw. 12 NT$ tragen die Abbildungen von zwei exquisiten Seidentapisserien aus der Ming-Zeit (1368-1644) und stellen jeweils ein Vogelpaar auf blühenden Zweigen sitzend dar, ein beliebtes chinesisches Kunstmotiv. Die Tapisseriestickerei gehört zu den kunstvollsten der chinesischen Handarbeiten und unterscheidet sich von anderen Stick- und Webarbeiten dadurch, daß die Rückseite das Muster der Vorderseite spiegelverkehrt und mit einer Umkehrung der Farben wiedergibt. Durch die besondere Technik haben die Handarbeiten ein reliefartiges Aussehen und sind dabei von einer ebenmäßigen Feinheit und Farbbrillianz.
Eine weitere Neuerscheinung vom 21. Oktober stellt die klassische Peking-Oper vor, die in Taiwan unter dem Namen "Nationaltheater" bekannt ist. Im Unterschied zur westlichen Opernform wendet die Peking-Oper impressionistische Darstellungsmethoden an; der Text wird durch Gesang, die Handlungen durch symbolische Andeutungen ausgedrückt. Die vier neuen Briefmarken verdeutlichen, wie einfachste Requisiten, die von den Schauspielern gehalten werden, Handlungen und Handlungsgegenstände symbolisieren: Ein Wagen wird durch zwei mit einem Rad bemalte Fahnen dargestellt; zwei Paddel symbolisieren ein Boot, beziehungsweise eine Bootsfahrt; die mit Quasten geschmückte Peitsche steht für den Reiter und in dem an zwei Bambusstäben hängenden Vorhang erkennt der Betrachter eine Sänfte.
Philatelisten und Interessenten aus dem Ausland können sich für weitere Informationen und Bestellungen an folgende Adresse wenden:
The Philatelic Department Directorate General of Posts
55, Chin Shan South Road, Sec. 2 Taipei, Taiwan 10603, R.O.C.
Älteste Frau Taiwans ist 114 Jahre jung
Sie heißt Chu Ch'en-hsiao und wohnt in der kleinen Stadt Sanchung ganz in der Nähe von Taipei. Gesundheitlich geht es ihr hervorragend, so daß sie immer noch verschiedenste Arbeiten rund ums Haus erledigt. Sie hört zwar nicht mehr so gut, hat aber noch ein ausgezeichnetes Gedächtnis. Chu Ch'en-hsiao ist 1878 geboren und erreichte dieses Jahr das stolze Alter von 114 Jahren; dabei hat sie gute Chancen, Rekordbrecherin zu werden. Der asiatische Langlebigkeits-Rekord liegt derzeit nämlich bei 115 Jahren. Anläßlich des diesjährigen Seniorentages stattete der Gouverneur der Provinz Taiwan, Lien Chan, mit Gattin der ältesten Bürgerin einen Besuch ab, gratulierte und überreichte Geschenke. Dabei zeigte er sich besonders um die Gesundheit von Frau Chu bemüht und bat Nachbarn, Amtsträger sowie das Provinzkrankenhaus, die alte Frau aufmerksam zu umsorgen. Gouverneur Lien hatte Chu bereits vor zwei Jahren besucht und bemerkte, daß sich Wohnumgebung und körperliche Verfassung der Frau zum Positiven verändert hätten. - Allein ist die 114jährige jedenfalls nicht mit ihrem hohen Alter, denn auf Taiwan gibt es immer mehr Personen, die den "Hunderter" schon über die Runden gebracht haben. Waren es im Vorjahr noch 162, so sind es in diesem Jahr bereits 261. Dazu muß gesagt werden, daß auch hierzulande die Frauen eindeutig langlebiger sind, denn während nur 69 Männer die Hundertergrenze überschritten haben, sind es bei den weiblichen Einwohnern beinah dreimal so viele, nämlich 192 Personen. Die drei ältesten Bewohner Taiwans sind auch alle weiblich, an vierter Stelle folgt dann aber ein 109 jähriger Mann (Statistik des Sozialamtes der Provinzregierung Taiwan). Die durchschnittliche Lebenserwartung für Frauen beträgt auf Taiwan derzeit knappe 77 Jahre, während Männer durchschnittlich 71 Jahre alt werden. Nicht erwartet hätte man, daß die Mehrzahl der "Uralten" gerade in den meistverschmutzten und am dichtesten besiedelten Gebieten Taiwans ansässig sind: Die Landkreise Taipei und Taoyuan nehmen mit jeweils 46 über 100 Jahre alten Einwohnern den ersten Platz ein.
Zur Ehrung der betagten Mitbürger findet jedes Jahr der oben erwähnte "Seniorentag" statt, der zwar nicht als nationaler Feiertag gilt wie etwa der Frauen- oder der Jugendtag, an dem aber eine Reihe von Aktivitäten für die Senioren abgehalten wird. Dieses Jahr fiel der Tag der Respektserweisung an die Gealterten auf den 4. Oktober. Mit Geschenken und Geldzuweisungen bis hin zu Bürgermeisterbesuchen, Gartenpartys und Bergwanderungen bemühte sich die Regierung an diesem Tag ganz besonders um das Wohlergehen der Altgewordenen. Daneben gilt es aber auch die Probleme zu überdenken, welche ins Haus stehen, wenn die Bevölkerung eines Staates immer älter wird. In der Stadt Taipei sind bereits sieben Prozent der Einwohner über 65 Jahre alt.
Straßenhändler verdienen nicht schlecht
Im Vorübergehen schnell einen süßen oder sauren Imbiß kaufen, auf der Straße das lange benötigte Geschenk finden - eine Uhr oder eine hübsche Haarspange vielleicht - , und abends nach Geschäftsschluß noch Obst und Gemüse einkaufen: Die Straßenhändler machen alles möglich. Sie bieten ihre Güter auf fahrbaren Ständen an oder legen sie einfach auf ein großes ausgebreitetes Tuch, welches bei der Ankunft von polizeilichen Aufsichtsorganen flugs über sämtlichen Waren zusammengeschlagen wird.
In der Stadt Taipei üben sage und schreibe 30 000 Straßenverkäufer illegal ihr Geschäft aus. Durchschnittlich finden sich in Taiwans Stadtgebieten 73 solcher Händler auf einem Quadratkilometer, wobei das im Süden gelegene Kaohsiung mit 100 Straßenhändlern je Quadratkilometer die größte Dichte aufweist. Die Bevölkerung ist also gut bedient und muß nicht erst lange suchen, um den richtigen "Laden" zu finden. Daß sich diese Art der Betätigung für die Betreiber sehr wohl lohnt, zeigt eine vom Amt für Budget, Rechnungswesen und Statistik durchgeführte Untersuchung. Bei mehr als 30 Prozent der Händler liege das Jahreseinkommen über 1 Million NT$; die 500 000 NT$-Grenze überschritten mit ihrem Verdienst 32 Prozent, während 39 von hundert aussagten, ihr Erlös bliebe darunter. Obwohl die auf öffentlichen Plätzen wie Straßen, Brücken, Unterführungen und Gehsteigen tätigen Verkäufer Strafen für ihre Lizenzlosigkeit und für die Behinderung von Straßenverkehr und Fußgängern riskieren, wollten viele das lukrative Geschäft nicht aufgeben. Der hohe Gewinn ist es, der zum Fortführen des mobilen Verkaufs veranlaßt - 80 Prozent der Befragten gaben an, ihr Geschäft mindestens noch ein Jahr lang betreiben zu wollen. Die Untersuchung befand sogar eine Zunahme der Verkaufstätigkeit, die besonders in den Bereichen Imbiß, Gemüse und Kleidung ausgeprägt war.
Wie kommt es denn, daß so viele Menschen im Straßenhandel engagiert sind? Auf diese Frage läßt sich ebenfalls eine Antwort finden. Im Zuge der Anwanderung vom Land konzentriert sich eine Masse von Menschen auf den Arbeitsmärkten der Städte. Nicht jedem gelingt es, eine passende Stelle zu finden, und so sieht man sich nach alternativen Verdienstmöglichkeiten um. Der Straßenhandel erweist sich dabei als optimal, da die Tätigkeit leicht ist, weder eine besondere Ausbildung noch hohe Kapitalinvestition erfordert, dennoch aber hohe Gewinne abwirft. Zusätzlich zahlen die Straßenverkäufer weder Miete für Geschäftsflächen noch Steuern an den Staat und stellen für die "normalen", etablierten Geschäfte dadurch eine wesentliche Konkurrenz dar.
Hinsichtlich des Bildungsgrades ergab die Untersuchung, daß fünfzehn Prozent der Straßenhändler die Reifeprüfung abgelegt oder darüber hinaus noch eine weiterführende Bildung genossen hätten. Die Mehrzahl aber, nämlich 85 Prozent, habe gerade nur die Schulpflicht absolviert; der Straßenverkauf sei somit bevorzugt ein Betätigungsfeld für die niedrigeren Bildungsschichten. - Neben der positiven Nahversorgung und dem entspannenden Effekt auf den Arbeitsmarkt hat dieser Geschäftszweig aber auch seine Schattenseiten, beklagt sich die Bevölkerung. 90 Prozent der Einwohner finden, daß durch die mobilen Stände Straßenverkehr und Fußgänger behindert werden. Auch die Umwelt müsse unter den Straßenhändlern leiden, da Abfälle von Obst und Gemüse, Fleisch und Fisch sowie Schmutzwasser auf den öffentlichen Plätzen übrigblieben und auch Geruchsbelästigung verursachten, klagte die immer umweltbewußter werdende Bevölkerung.
Glücksverheißendes Autokennzeichen beschert Taipeis Stadtverwaltung 600 000 NT$
Viele Chinesen setzen einen starken Glauben in glücksverheißende Symbole und sind auch bereit, eine Menge Geld dafür zu zahlen. Ein gutes Beispiel dafür war die Versteigerung von Autokennzeichen durch das städtische Amt für Kraftfahrzeugüberprüfung, Taipei im Februar dieses Jahres. Dabei erzielte das Kennzeichen AC-8888 den Rekordpreis von 600 000 NT$ (24 000 US$) gefolgt von 450 000 NT$ (18 000 US$) für die Kombination AB 8888.
Vielen mögen diese Summen haarsträubend erscheinen, aber das Höchstgebot lag nur knapp über der Hälfte von Hongkongs teuerstem Autokennzeichen in diesem Jahr 300 000 HK$ (39 000 US$).
"Wo aber liegt das vermeintliche Glück bei den Autoschildern?", werden sich manche fragen. Der stolze Ersteigerer der teuren Zeichen erklärte, daß die kantonesische Aussprache der Zahl "Acht" genauso klinge wie "reich" und die Kombinationen dem Besitzer entsprechend solches verhießen. Es erscheint angemessen, daß jene teuren Schilder einen Mercedes Benz 560 und einen Rolls Royce zieren sollen.
Auf der Versteigerung von 76 glücksbringenden Autokennzeichen waren einige hundert Leute anwesend. Die Nummernschilder wurden gemäß ihrer "Glücksverheißung" in drei Gruppen unterteilt. Spitzenreiter unter den Schildern waren 9999, 8888, und 6666 mit einer Mindestforderung von 10 000 NT$ (400 US$). Die Zahl Neun klingt im Chinesischen wie "ewig" und steht für den Wunsch nach einem langen Leben. Die Ziffer Acht symbolisiert Reichtum und die Zahl Sechs drückt aus, daß alles glatt und harmonisch verläuft. Nach Ansicht von Eingeweihten verstärken Zahlenwiederholungen die Wirkung. Die zweite Gruppe umfaßte die restlichen Viererkombinationen sowie weitere wiederholte Nummern und steigende Zahlenfolgen, z. B. 5678 und 6789, die ein Gefühl von Aufstieg vermitteln, zu Preisen ab 6000 NT$. Die unterste Gruppe, für ein Anfangsgebot von 4000 NT$, trug zwei Zahlenpaare, wovon das erste Zahlenpaar niedriger war als das zweite, zum Beispiel 1122, 1133 oder 2233.
Wo es Glück gibt, gibt es natürlich auch Pech, und da die Zahl Vier im Chinesischen fast gleichklingend mit "Tod" ist, wird sie entsprechend gefürchtet. Darum gibt es auch, nach Angaben des Amtes, keine Autoschilder, die eine Vier an den letzten beiden Stellen aufweisen.