In den Augen vieler Besucher sind chinesische Tempel nicht nur belebte und geschäftige Orte, sie sind auch visuell laut - ein Klanggemisch aus Farben, Formen und ungewöhnlichen Bildern. Eliminiert man jedoch die Farben, erscheint die spirituelle Kraft der Tempel in einem ganz neuen und aufschlußreichen Licht.
Der in Kalifornien geborene Fotograf David Hartung lebt seit dem letzten Sommer in Taiwan. Nach seinem Abschluß an der Ohio University kam er 1985 zum ersten Mal nach Asien und blieb bis 1989. Danach kehrte er nach Kalifornien zurück und arbeitete als Fotojournalist. Er fotografiert viel in diesem Teil der Welt, darunter in Japan, Südkorea, Festlandchina, Taiwan, Hongkong, Kambodscha, Thailand und Nepal.
Dies ist Hartungs erste Zusammenarbeit mit der englischsprachigen Monatszeitschrift Free China Review. Er arbeitet bereits regelmäßig für Asiaweek, Forbes und BusinessWeek sowie für die Bordmagazine mehrerer Fluggesellschaften. Kürzlich fotografierte er im Auftrag von Newsweek für deren Ausgabe vom 20. Mai Präsident Lee Teng-hui anläßlich seiner Amtseinführung.
Obwohl Hartung im allgemeinen Farbfotografien veröffentlicht, gilt eine wahre Liebe der Schwarzweißfotografie. "Wenn ich einen Schwarzweißfilm in meine Kamera einlege, gibt mir das ein größeres Gefühl der Freiheit", sagt er. "Farben können ablenken. Wenn ich weiß, daß ich Schwarzweißfotos mache, kann ich mich mehr auf die Objekte konzentrieren und mich direkt mit ihnen befassen. Ich kann die Lichtintensität variieren, um das Entscheidende im Bild hervorzuheben." Hartung hat in diesem Jahr einige Tempel auf Taiwan besucht. Hier sind die Ergebnisse.
(Deutsch von Christiane Gesell)