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Behinderung kein Hindernis

01.09.2008
2007 war Taiwan Gastgeber der IWAS-Weltspiele für Rollstuhlfahrer und Amputierte. (Foto: Courtesy Chinese Taipei Paralympic Committee)

Taiwanische Athleten mit Behinderungen erbringen für sich selbst und ihr Land erstaunliche Leistungen.

Es war ein glorreicher, unvergesslicher Moment für den taiwanischen Sportler Chiang Chih-chung, als er aufs Treppchen stieg, um seine Goldmedaille im Speerwurf-Wettkampf der Herren bei der Behindertenolympiade 2000 in Sydney entgegenzunehmen. Mit seinem dramatischen Wurf über 57,28 Meter hatte Chiang einen neuen Weltrekord für behinderte Speerwerfer aufgestellt. Seine Sehbehinderung bedeutete, dass er kaum die Flagge des Paralympischen Komitees Chinese Taipei erkennen konnte, als diese gehisst wurde, doch er hörte, wie Taiwans Nationalbanner-Hymne gespielt und in der Zuschauermenge "Chinese Taipei" gerufen wurde, und ihm stiegen die Tränen in die Augen.

"Damals dachte ich an mein Training, und ich fühlte, dass alle Mühen sich gelohnt hatten", meint Chiang rückblickend. "Außerdem konnte ich nun mein Versprechen einhalten, für meine beiden jüngeren Geschwister einen Computer zu kaufen. Ich war dankbar für all die Unterstützung, die ich auf meinem Weg erhalten hatte, vor allem von meinem Trainer. Ohne ihn wäre ich nicht so weit gekommen."

Chiang, ein Ureinwohner vom Stamm der Bunun im südtaiwanischen Landkreis Kaohsiung, war nicht mit Augenproblemen zur Welt gekommen, doch in seiner Jugend schwand seine Sehkraft. Als er in die vierte Grundschulklasse ging, starb sein Vater, und der junge Chiang musste seiner Mutter nach Schulschluss bei Gelegenheitsjobs auf Baustellen helfen. Eines Tages bekam er Zementpartikel und Schweiß in die Augen, was eine Entzündung verursachte. Gegen die Schmerzen benutzte er Augentropfen, suchte aber keinen Arzt auf.

Die Augenentzündung wurde schlimmer, und allmählich wurde sein Augenlicht schwächer. Als er in der Oberschule war, wurde ein fast vollständiger Verlust der Sehkraft festgestellt. Er verfiel in eine tiefe Verzweiflung und dachte, dass er in Zukunft ausschließlich als Masseur würde arbeiten können. Erst als er bei einem nationalen Sportfest seinen Trainer Cheng Shou-chi kennen lernte, wurde seine Leidenschaft für Sport und damit seine Leidenschaft für das Leben wirklich lebendig. Er beschloss, eine Laufbahn beim Sport zu verfolgen, nicht nur wegen seiner Liebe zum Sport, sondern vielmehr mit dem Ziel, die finanzielle Lage seiner Familie zu verbessern.

Trainer Cheng, ein Sportlehrer an der Chinese Culture University (CCU) in Taipeh, erkannte wiederum in Chiangs Fähigkeiten ein großes Potenzial. Er stellte sich freiwillig dazu zur Verfügung, Chiang nach dessen Examen an der Oberschule in Leichtathletik zu trainieren. Er forderte Chiang sogar dazu auf, bei seiner Familie zu leben, und half ihm bei der Immatrikulation an der CCU und Anträgen auf Zuschüsse, damit der junge Athlet professionelles Training erhalten konnte, ohne sich Sorgen über seinen Lebensunterhalt machen zu müssen.

"Was mich an Chiang beeindruckt, ist seine geistige Kraft und sein großer Siegeswille", bekennt Cheng. "Er übt immer mehr als nur das Trainingspensum, das er von mir verordnet bekommt. Ich behandle ihn wie einen Sohn, und er glaubt an mich. Wir können über alles reden. Ich denke, es ist diese Art von guter Interaktion, die ihn dazu bringt, stetig weiterzumachen, und seine Entwicklung bereitet mir Freude und macht mich stolz."

Der Trainer kann zweifellos stolz auf die Leistungen seines Schützlings sein. Nach seinem Erfolg bei den Paralympischen Spielen in Sydney 2000 brach Chiang bei den Paralympics in Athen 2004 abermals den Weltrekord (diesmal seinen eigenen) mit einem Speerwurf von 59,38 Metern für seine nächste Goldmedaille. Bei der Weltmeisterschaft des internationalen Blinden-Sportverbandes in Brasilien 2007 gewann er Gold im Speerwurf, Silber beim Diskuswerfen und Bronze im Kugelstoßen. Bislang hat sich Chiang bei internationalen Wettkämpfen nicht weniger als sieben Goldmedaillen gesichert.

Trotz widriger Umstände

Liu Pei-ling, Generalsekretär des Paralympischen Komitees Chinese Taipei, ist zu Recht stolz auf die allgemeinen Leistungen der behinderten Athleten des Landes bei Weltklasse-Sportveranstaltungen. Taiwans Vertreter sind besonders stark beim Judo, Gewichtheben, Schießen, Tischtennis und bei Leichtathletik. Allein im vergangenen Jahr heimsten sie bei internationalen Sporttreffen 59 Goldmedaillen, 42 Mal Silber und 35 Mal Bronze ein.

"Die Leistungen von Taiwans behinderten Sportlern auf der internationalen Bühne haben dazu beigetragen, Taiwans internationales Image und Profil zu stärken", freut sich Liu. "Ihre Beiträge verdienen mehr Anerkennung."

Liu meint, körperlich und geistig Behinderte müssen im Vergleich mit Nicht-Behinderten viel größere Mühe aufwenden, um ihre sportlichen Fähigkeiten zu stärken, und überdies müssen sie ohnehin noch die alltäglichen Schwierigkeiten bewältigen, einfach nur um zurechtzukommen. Außerdem stehen ihnen nicht so viel spezialisiertes Training und weniger Finanzierungsmöglichkeiten zur Verfügung wie nichtbehinderten Athleten.

Zur Zeit gibt es in Taiwan rund 2000 Sportler mit Behinderungen, und ihr Durchschnittsalter beträgt 40 Jahre, was gemessen an den Standards von Wettkampfsport relativ hoch ist und in den meisten Bereichen einen weiteren Nachteil darstellt. Die meisten von ihnen warten laut Liu, bis sie ein gewisses Maß an finanzieller Sicherheit erreicht haben, um ihren sportlichen Ambitionen nachzugehen, doch selbst dann müssen sie noch erwerbstätig sein, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und können lediglich in ihrer Freizeit trainieren.

Darüber hinaus sind ihre Optionen begrenzt, wenn es darum geht, geeignete Orte zum Trainieren zu finden, da es in Taiwan an umfassenden Einrichtungen für behinderte Sportler in unterschiedlichen Disziplinen mangelt, wo sie sich zu intensivem Training versammeln könnten. Das bedeutet, behinderte Sportler müssen Zeit und Geld aufwenden, um passende Trainingsörtlichkeiten zu finden, und die Benutzungsgebühren müssen sie aus eigener Tasche bezahlen. Obendrein hält sich laut Liu der Enthusiasmus einheimischer Unternehmen beim Sponsern von Behindertensport in Grenzen, was die Finanzierungsprobleme noch verschlimmert.

Wettkampfschütze Liu Wen-chang mit seinem Trainer Kao Jiun-shan, der für Liu seine Freizeit opfert.

Angesichts des für sie eher ungünstigen Umfeldes sind die herausragenden Leistungen, welche Taiwans behinderte Sportler erbringen, umso erstaunlicher. Die Hingabe einzelner Trainer spielt bei diesem Erfolg eine beträchtliche Rolle. "Es bewegt mich, wie viele Trainer ihre Zeit, Energie und sogar Geld opfern, um behinderte Athleten zu betreuen", sagt Liu. "Sie bieten nicht nur professionelle Unterweisung, sondern helfen den Athleten auch in ihrem Alltag. Sie sind die Hauptkraft hinter der Entwicklung des Behindertensports in Taiwan."

Es gibt ein paar wenige Schulen, darunter die CCU, die Chang Jung Christian University in Tainan und die National Taichung School for the Visually Impaired, die dabei helfen, Behindertensport zu fördern, indem sie talentierten Athleten kostenloses Training und Zuschüsse geben, so Liu. Dazu versorgt der Rat für Sportangelegenheiten (Sports Affairs Council, SAC) inländische Sportler mit wichtiger Unterstützung, indem die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen finanziert wird und Anreize geboten werden, Medaillen zu gewinnen.

Ein Punkt ist indes die auffallende Differenz zwischen den Preisgeldern für behinderte Medaillengewinner und den Preisgeldern für ihre nicht-behinderten Kollegen. So kassiert beispielsweise ein Goldmedaillengewinner der Paralympics eine Belohnung in Höhe von 2,4 Millionen NT$ (50 000 Euro) vom Sportrat, eine Goldmedaille bei der regulären Olympiade wird dagegen mit 12 Millionen NT$ (250 000 Euro) honoriert. Liu vom Paralympischen Komitee hofft, dass die Regierung die Bestimmungen überarbeitet, um die große Differenz zwischen den Preisgeldern zu verringern. Daneben wünscht er sich, dass die Behörden für Athleten, die ihre aktive Wettkampfkarriere beendet haben, mehr Arbeitsmöglichkeiten schaffen können, etwa Trainerstellen in Schulen, damit mehr Behinderte ermutigt werden, Profisport zu betreiben.

Kimme und Korn

Der 44-jährige Wettkampfschütze Liu Wen-chang verkörpert sowohl die Erfolge als auch die Schwierigkeiten beim Wettbewerb behinderter Sportler. Liu ist seit seiner Kindheit, als er an Kinderlähmung erkrankte, an den Rollstuhl gefesselt, doch in den letzten Jahren fand er neuen Lebensmut und zeigte großen Ehrgeiz in der Sportart seiner Wahl.

"Ich hatte eigentlich während meiner Schulzeit keine Gelegenheit, am Sportunterricht teilzunehmen", erinnert sich Liu Wen-chang. "Damals verließ ich sogar nur selten das Haus, weil ich mich unwohl fühlte und es mich manchmal verletzte, wie die Leute mich anstarrten. Doch heute gehe ich jeden Tag aus, vor allem für Schießübungen, egal wie das Wetter ist, wie dicht der Verkehr oder wie schwer ich vorankomme. Wenn die Menschen mich heute anschauen, denke ich, vielleicht bewundern sie mich oder finden mich gut aussehend."

Sein Selbstwertgefühl und positives Denken basieren auf seinen guten Leistungen beim Schießen. Er hat etwa 20 Länder besucht, um an internationalen Sportwettbewerben teilzunehmen, und bislang hat er fünf Mal Gold, ein Mal Silber und ein Mal Bronze gewonnen.

Vor zwölf Jahren hatte Liu aus Neugier an einem Schießprogramm teilgenommen, welches das Paralympische Komitee organisiert hatte. Daraufhin entwickelte er Interesse am Schießsport, der seitdem ein wichtiger Teil seines Lebens geworden ist. Anfangs musste er sich Schießgerät vom Paralympischen Komitee oder von Schulen mit Schützenprogrammen ausleihen, und er suchte ständig nach geeigneten Orten zum Üben. "Eine Trainingsstätte befand sich im ersten Obergeschoss", beschreibt er. "Ich musste nicht nur jemanden bitten, meinen Rollstuhl raufzutragen, ich musste auch selbst die Treppe raufkriechen und mich jede Stufe einzeln hinaufziehen, was mich physisch und emotional verletzte."

Erst in den letzten paar Jahren war es ihm möglich, seine eigene Ausstattung zu erwerben, darunter moderne Gewehre, eine maßgeschneiderte Lederjacke und Schießhandschuhe in Sonderanfertigung. Zudem fand er eine permanente Übungsstätte im Taipei Nangang Sports Center, und so konnte er wesentliche Fortschritte in seinem Sport machen. Der Schütze ist seinem Trainer Kao Jiun-shan besonders dankbar, da Kao nicht nur seine Freizeit opfert, um Liu Wen-chang zu trainieren, sondern auch noch nachmittags im Sportzentrum arbeitet, damit sein Schüler dafür die Stätte gratis benutzen darf.

Liu Wen-chang empfindet auch Dankbarkeit für die Regierung, weil sie mit der staatlichen Wohlfahrtslotterie Arbeitsplätze für Behinderte schafft, indem sie die Lotterielose verkaufen dürfen. Durch sein Lotterielos-Geschäft kann er seinen Lebensunterhalt verdienen und bei seiner Zeiteinteilung flexibel sein. Gewöhnlich arbeitet er vormittags und bittet einen seiner Verwandten, sich nachmittags um das Geschäft zu kümmern, während er trainieren geht.

Liu Wen-chang erwartet, dass die neue Sportlotterie, die Anfang Mai gestartet wurde, hübsche Einkünfte erbringen wird, und hofft, dass ein Teil dieses Geldes dazu verwendet werden kann, auf der ganzen Insel Behindertensport zu fördern, indem mit verbesserten Einrichtungen und besserer Finanzierung talentierter Nachwuchs und Trainer herangebildet werden können.

"Wegen der Ehre und des Erfolgsgefühls, das ich spüre, wenn ich bei einer Sportveranstaltung gut abschneide, bin ich bereit, meine Arbeit hintenanzustellen und so viel Zeit für Training aufzuwenden", begründet er. "Neben der Arbeit, um meine Familie zu ernähren, habe ich heute für mein Leben aggressivere Ziele -- ich will mich bei jedem Wettkampf selbst übertreffen und die höchsten Preise erringen, um Taiwans internationales Profil zu erhöhen. Diese Gedanken verhelfen mir dazu, Wege zu finden, Schwierigkeiten zu überwinden und voranzukommen."

In einem anderen Bereich bemüht Taiwan sich aktiv um Ausrichtung internationaler Sportveranstaltungen für Behinderte. So war Taiwan beispielsweise im vergangenen Jahr Gastgeber der World Wheelchair and Amputee Games und der Gehörlosen-Schwimmweltmeisterschaft.

Laut Liu Pei-ling von Taiwans paralympischen Komitee war die Insel bislang Gastgeber von sieben internationalen Sportwettbewerben für behinderte Athleten. Veranstaltungen solcher Art tragen dazu bei, das Bewusstsein der Öffentlichkeit für Behindertensport zu erhöhen und gleichzeitig Taiwan ins internationale Rampenlicht zu rücken. Überdies sind verschiedene Maßnahmen zur Schaffung eines hindernisfreien Umfeldes für Athleten wie Rampen für Rollstühle an Gebäuden und mehr Omnibusse mit Rollstuhl-Lifts eine erfreuliche Folge des Ablaufs.

Im Rahmen der mannigfaltigen Vorbereitungen auf die Gehörlosen-Olympiade 2009 lernen Freiwillige die Gebärdensprache.

Positive Resonanz

Nach den Worten von Chao Yu-ping, Generalsekretär des Gehörlosen-Sportverbandes Chinese Taipei, hat seine Organi sation in den letzten paar Jahren an mehreren großen Wettbewerben gearbeitet, um den Gehörlosen- und Behindertensport zu fördern. Beispielsweise nahmen an den Asiatisch-pazifischen Gehörlosenspielen, die der Verband im Jahr 2000 in Taipeh veranstaltete, fast 1000 Athleten aus 23 Ländern teil, und sie erhielten so viel positive Resonanz, dass die Gruppe aufgefordert wurde, sich weiter um die Ausrichtung solcher Veranstaltungen zu bemühen.

In der Folgezeit konnte Chaos Verband dank seiner großen Erfahrung im Jahre 2003 eine aussichtsreiche Bewerbung um die Ausrichtung der Gehörlosen-Olympiade einbringen und schließlich den Mitbewerber Athen ausschalten, und so gewann Taipeh das Recht, im Jahre 2009 die Spiele auszurichten. Es wird laut Chao das erste Mal seit dem Debüt der Spiele 1924 sein, dass die Gehörlosen-Olympiade in Asien stattfindet, und es ist eine Gelegenheit für Taiwan, einen internationalen Wettbewerb auf Olympia-Niveau zu organisieren. Die Spiele 2009 werden eine der größten internationalen Sportveranstaltungen sein, die je in Taiwan stattfanden, und zur Teilnahme werden über 3600 Sportler aus etwa 80 Ländern erwartet.

Zur Vorbereitung der Spiele wurde im April 2006 die Stiftung des Organisationskomitees für die 21. Sommer-Gehörlosenolympiade ins Leben gerufen. Nach den Worten von Stiftungspräsident Chen Chih-ho arbeitet seine Gruppe mit Lokalverwaltungen, dem SAC, anderen Regierungsbehörden und örtlichen Herstellern zusammen, um an den ausgewählten Sportstätten Einrichtungen zu bauen oder zu modernisieren. Ein Beispiel dafür ist die laufende Arbeit mit örtlichen Herstellern zur Entwicklung anspruchsvoller Anzeigesysteme für gehörlose Athleten, wozu auch ein Lichtsystem gehören soll, das den Start von Rennen und anderen Sportveranstaltungen signalisiert.

Laut Chen wird derzeit direkt neben der Taipei Arena für 250 Millionen NT$ (5,2 Millionen Euro) ein neues Stadion gebaut, das im April kommenden Jahres fertig sein soll. Das Design des Projekts wurde von der International Association of Athletics Federations -- also dem internationalen Leichtathletik-Verband -- und der FIFA zugelassen. Außerdem werden im Parkgürtel an Taiwans Flussuferzonen vier Plätze für Fußball und einer für Strandvolleyball gebaut.

"Dies sind hindernisfreie Einrichtungen, die internationale Standards erfüllen", prahlt Chen. "Nicht nur werden wir durch sie beim Organisieren der Gehörlosen-Olympiade 2009 gute Arbeit leisten können, sondern sie werden auch in den kommenden Jahren Taiwans Erfolg bei Bewerbungen um Ausrichtung internationaler Spiele erhöhen. Noch wichtiger ist, sie können fortan von Behinderten und von Nicht-Behinderten benutzt werden."

Eine weitere wichtige Aufgabe für die Stiftung besteht darin, etwa 3000 Freiwillige zu rekrutieren, welche die Gebärdensprache beherrschen, um den Zustrom von Athleten zu bewältigen und während der Spiele Beistand zu leisten. Entsprechend hat die Stiftung Gebärdensprachkurse von der Grundstufe bis zu fortgeschrittenem Niveau eingeführt, um den erwarteten Bedarf zu decken. Chen sagt, er hoffe, dass der Sportrat seinerseits einheimischen Athleten mehr Zuschüsse bereitstellen kann, damit sie sich auf die Vorbereitung auf die Spiele konzentrieren können. Eine solche Unterstützung könnte gute Ergebnisse auf dem Sportplatz zeitigen.

Bei der 20. Gehörlosen-Olympiade 2005 in Melbourne (Australien) errang Taiwans Team die Rekordzahl von 16 Medaillen -- neun Mal Gold, vier Mal Silber und drei Mal Bronze, womit Taiwan im Medaillenspiegel Rang fünf unter 78 Teilnehmerländern belegte. Bei der 19. Gehörlosen-Olympiade 2001 in Rom hatte Taiwan sich noch mit dem 24. Rang begnügen müssen. Bei den Spielen 2009 wird Taiwans Mannschaft aus 260 Athleten bestehen, und laut Chen sind in den Disziplinen Bowling, Tischtennis und Schwimmen Taiwans Aussichten auf Medaillen am größten.

"Lange Zeit hatte Taiwan es außerordentlich schwer, sich internationalen Organisationen anzuschließen und das Recht zu erhalten, internationale Sportveranstaltungen auszurichten", bemerkt Chen. "Wir hoffen, dass Taiwan, indem es als Gastgeber der Gehörlosen-Olympiade 2009 fungiert, international besser bekannt werden kann und dadurch auch der Beitritt in die Vereinten Nationen und andere Organisationen begünstigt wird. Wir bemühen uns desweiteren, für Taiwan mehr Goldmedaillen zu erringen."

Die Veranstaltung wird überdies der Moral von Taiwans gehörlosen Athleten Auftrieb geben und eine große Motivation für sie darstellen, härter zu trainieren und bessere Leistungen zu erbringen, ergänzt Chao vom Sportverband Chinese Taipei. Neben einer Belohnung in Höhe von 750 000 NT$ (15 625 Euro) für jeden taiwanischen Sportler, der eine Goldmedaille gewinnt, ermöglicht ein Sieg bei den Spielen außerdem Zulassung zu Bildungsprogrammen der Tertiärstufe oder eine Trainerstelle an einer Schule.

Wettkampfschütze Liu Wen-chang beschreibt einen Teil der besonderen Bedeutung, welche die Teilnahme an solchen internationalen Wettkämpfen für die behinderten Sportler selbst hat: "Ich hatte wegen meiner Lähmung immer ein starkes Minderwertigkeitsgefühl, doch durch Siege bei Sportveranstaltungen konnte ich nach und nach Vertrauen in mich selbst aufbauen."

                                                                                           (Deutsch von Tilman Aretz)

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