12.03.2026

Taiwan Today

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Die Schweiz -- Testmarkt für Taiwan

01.11.1999
Jost Feer, Direktor des TOSI :”Über die Hälfte der Schweizer Firmen hier werden von lokalen Leuten gemanagt.”

Zu Beginn der achtziger Jahre bewog das Wirtschaftswunder in der Republik China viele westliche Industrieländer zur Einrichtung von Wirtschaftsvertretungen in Taiwan. 1980 wurde in Taipei die Österreichische Außenhandelsvertretung eröffnet, 1981 das Deutsche Wirtschaftsbüro und 1982 das Handelsbüro der Schweizer Industrie. In der Reihe über die Institutionen und Vertreter/innen der deutschsprachigen Länder in Taiwan stellt Freies China in dieser Ausgabe das Handelsbüro der Schweizer Industrie (Trade Office of Swiss Industries , TOSI) vor.

Seit 1987 leitet Jost Feer, Jahrgang 1953, das TOSI. Nach einer kaufmännischen Ausbildung, Auslandsaufenthalten in England und Spanien sowie mehrjähriger exportbezogener Ausbildung und Berufstätigkeit war Feer im Jahre 1979 der Schweizer Zentrale für Handelsförderung ( Office suisse d'expansion commerciale, OSEC), einer für Exportförderung zuständigen halboffiziellen Organisation, beigetreten. Im Gespräch mit Freies China gab Feer Auskunft über die Aufgaben des TOSI, den bilateralen Handel und den Hilfseinsatz der schweizerischen Rettungsmannschaft nach dem zentraltaiwanesischen Erdbeben im September. Es folgen Auszüge.

Freies China: Herr Feer, nach dem schweren Erdbeben in Zentraltaiwan am 21. September war auch ein Schweizer Rettungsteam im Einsatz. Wie schnell war das Hilfsangebot der Schweiz an die Regierung der Republik China erfolgt?

Jost Feer: Schon früh am Morgen. Als sich das Erdbeben ereignete, wußte man in der Schweiz ziemlich schnell, daß es sich um ein größeres Erdbeben handeln mußte. Dies haben die seismologischen Messungen in der Schweiz gezeigt, und man wußte sogar, wo das Epizentrum lag. Wenn man feststellt, daß etwas Größeres passiert ist, wird sofort die Frage an die entsprechende lokale Regierung gestellt, ob Hilfe gebraucht wird.

Sobald das grüne Licht kommt, müssen natürlich die logistischen Details abgeklärt werden, unter anderem: Ist ein Flugzeug erhältlich, wenn ja, wo, ist es von Swissair oder anderen Organisationen? Dann müssen auch die ganzen Überflugsrechte geklärt werden, Landerechte, der ganze Transport von Ausrüstungen, was kommt genau mit, wo ist das Material jetzt im Moment gerade vorhanden, wie wird es geladen usw. Die Mannschaftsteilnehmer müssen sich dann natürlich ebenfalls organisieren. Sie bekommen einfach ein Aufgebot per Telefon und haben dann bis zu einem bestimmten Zeitpunkt am Flughafen zu sein. Wenn sie sagen, daß sie im Moment nicht verfügbar sind, muß man wieder schauen, ob es andere gibt, die einspringen können. Es gibt einen Pool von Leuten, die zur Verfügung stehen, und da versucht man, die entsprechenden Spezialisten abzurufen. Wenn jemand nicht verfügbar ist, gibt es meistens einen Ersatz.

Es war aber ursprünglich nicht geplant, daß das Schweizer Team mit den deutschen und österreichischen Mannschaften vereint werden sollte.

Das war fast ein Zufall. Es hat zu der Zeit gerade eine Sitzung in Wien gegeben, wie ich gehört habe, wo führende Leute sich zu einem Meeting getroffen haben, und es wurde beschlossen, zusammenzugehen. Wenigstens der Transport war gemeinsam, und das war auch vernünftig, denn im Hinblick auf die Kosten wäre ein Großraumflugzeug für ein Kontingent von 40 Leuten aus der Schweiz praktisch Luxus gewesen. Das ist das erste Mal gewesen, daß man sich auf diese Weise organisieren konnte.

Der Einsatz jeder Mannschaft war dann wieder unabhängig, weil die Mannschaften zuvor nie eine Zusammenarbeit für einen Einsatz im Detail geprobt haben. Die Leute sind auf ihre verschiedenen Ausrüstungen ausgerichtet, und das Ganze einfach so zusammenzusetzen, ist nicht so leicht: Man hat verschiedene Ausrüstungen, und wenn jemand dann Werkzeug von anderen gebrauchen muß, das er nicht kennt, ist er nicht effizient genug.

Welche Aufgaben erfüllt das TOSI?

Wir sind heute in verschiedenen Gebieten tätig, nicht mehr nur rund um den Handel, also Exporte von der Schweiz nach Taiwan plus zusätzlich Importe von Taiwan in die Schweiz. In diesem Jahr haben wir verschiedene Projekte durchgeführt, wie zum Beispiel eine Schweizer Woche im März. Im gleichen Monat haben wir eine Schweizer Schulmesse veranstaltet. Wir machen im November eine Katalogausstellung, um Produkte von Schweizer Firmen vorzustellen.

Wir befassen uns auch mit Investitionsförderung, erledigen Visa-Angelegenheiten, Tourismusförderung, beraten Geschäftsleute und Studenten, die in die Schweiz gehen. Dann beschäftigen wir uns mit der Förderung von Schulen aus der Schweiz und Betreuung von den Schweizern hier in Taiwan. Alles in dem Zusammenhang wird von hier aus relativ autonom durchgeführt.

Auf dem Gebiet Kultur sind wir auch noch tätig: Im Juni haben wir ein Schweizer Ballett für eine Aufführung in Tainan gehabt. Auch nächstes Jahr versuchen wir, verschiedene Gruppen zu Aufführungen hierher zu bringen. Wir haben im August eine Ausstellung über eine sehr bekannte Stiftsbibliothek in der Schweiz gehabt, St. Gallen, mit Kopien von alten Manuskripten aus dem 9. Jahrhundert und Auszügen über das Wirken der Stiftsbibliothek in den letzten 1200 Jahren. Das war auch ein kleiner Beitrag zur Kulturförderung. Man kann nicht immer nur vom Geschäft reden, es braucht auch andere Verständnisse, um sich gegenseitig kennenzulernen und näherzukommen. Und Kultur ist sicher ein sehr nützlicher Weg dazu. Die Bezeichnung "Handelsbüro" ist eigentlich ein falscher Name, weil diese Bezeichnung im Prinzip nicht aussagt, was man alles macht: Förderung von Handel, Tourismus, Schulen. Wir sind hier eine Anlaufstelle geworden, und auf Englisch würde man auch "Troubleshooter" sagen.

Sie selbst stammen aus der deutschsprachigen Schweiz. Gibt es für Ihren Posten ein Rotationssystem, nachdem auch Schweizer mit Französisch oder Italienisch als Muttersprache ernannt werden?

Es ist je nachdem ein Zufall, ob es ein Deutschschweizer, eine Französisch oder Italienisch sprechende Person ist. Das wird nicht wegen der Sprache entschieden, sondern wegen der Funktion und den Fähigkeiten. Wenn jemand diese Aufgabe übernehmen kann, dann spielt es im Prinzip keine Rolle, ob es eine Deutsch, Französisch oder Italienisch sprechende Person ist. Es wird nicht nach der Muttersprache entschieden.

Welches sind die in Taiwan am häufigsten verkauften Schweizer Produkte?

Von unseren Gesamtexporten sind es sechzig Prozent Maschinen, zum Beispiel Werkzeugmaschinen, Textilmaschinen, Druckmaschinen, Verpackungsmaschinen -- im Prinzip Maschinen in verschiedenen Gebieten der Industrie, wo spezielle Einsätze benötigt werden, fast wie maßgeschneiderte Sachen oder auf den Kunden bezogene Fabrikationslösungen, die angeboten werden. Die Schweiz ist grundsätzlich kein Massenproduktionsland für Maschinen aller Art, sondern nur für Spezialmaschinen.

Im Investitionsgüterbereich werden heute Maschinen gebraucht, die für das sogenannte "Upgrading" der Lokalindustrie benötigt werden. Von dieser Beziehung her haben wir hier sicher eine gute Ausgangslage. Es ist natürlich auch ein riesiger Konkurrenzkampf da, aber das sind wir von unserer Seite aus gewöhnt, weil Schweizer Firmen weltweit konkurrenzfähig sein müssen, um überleben zu können, da sie keine staatlichen Hilfen erhalten.

Neben den 60 Prozent Maschinenexporten gibt es noch etwa 15 Prozent Pharmazeutika, Chemikalien und etwa gleich viel an Uhren. Der Rest sind dann kleinere Sachen, inklusive Nahrungsmittel und ähnliches. Der Totalbetrag von unseren Exporten belief sich im letzten Jahr auf etwa 1,2 Milliarden Schweizer Franken, ein für uns relativ bedeutender Exportmarkt. Ich würde sagen, hier in Asien ist Taiwan nach Japan und Hongkong für uns der drittwichtigste Exportmarkt. [Noch vor dem chinesischen Festland -- Anm. d. Red.]

Wie steht es mit dem Handel in die andere Richtung?

Die Importe in die Schweiz sind nicht so groß, wir haben einen Handelsbilanzüberschuß mit Taiwan. Was wir vor allem importieren, sind PCs, es geht in die Elektronik hinein, das ist fast ein Drittel der Totalimporte. Dann sind es aber auch Maschinen, unter anderem ebenfalls Werkzeugmaschinen. Taiwan exportiert ein großes Ausmaß von Werkzeugmaschinen. Wir stehen in dem Sinn nicht in Konkurrenz zu taiwanesischen Produkten. Die taiwanesischen Werkzeugmaschinen sind eine andere Art als die von uns exportierten Werkzeugmaschinen. Taiwan hat mehr diese Art von Massenware, also Maschinen, die man in größerer Anzahl herstellen kann, Standardausführungen und so weiter. Die Maschinen sind nicht unbedingt für einen spezifischen Kunden gemacht, da man sie praktisch aus dem Katalog bestellen kann. Für Schweizer Maschinen ist es eher so, daß man ein Problem des Kunden zu erfassen hat und für diesen Kunden eine spezielle Maschine, in dem Sinne etwas Maßgeschneidertes, herstellen möchte.

Weiter ist die Schweiz auch ein sehr willkommener Abnehmer von Fahrrädern, unter anderem Mountain-Bikes. Für taiwanesische Firmen ist unser Markt natürlich relativ klein. Mit sieben Millionen Einwohnern ist der Markt trotz der guten Kaufkraft der Leute nicht enorm groß. Taiwanesische Exportfirmen konzentrieren sich eher auf größere Märkte mit größerem Volumen.

Der Schweizer Markt ist für viele taiwanesische Produkte auch ein Testmarkt: Man kann neue Produkte austesten, wie ist die Marktreaktion beim Endverbraucher, wie wird das Produkt in Europa aufgrund der verschiedenen Mentalitäten empfangen. Wir haben in der Schweiz eine deutsch-, französisch- und italienischsprechende Gegend. So kann man im Prinzip erste Markterfahrungen sammeln, um nachher im größeren Stil das ganze in Europa auszuweiten. Ich sage immer, wer in der Schweiz in diesem Markt Erfolg hat, hat auch in anderen Ländern in Europa Erfolg.

Gibt es Investitionen von Schweizer Unternehmen in Taiwan?

Die Schweiz ist weltweit gesehen grundsätzlich ein sehr aktiver Auslandsinvestor, da ist Taiwan in keiner Weise eine Ausnahme. Auch hier in Taiwan sind Schweizer Firmen sehr aktiv. Das sieht man an der Anzahl der Schweizer Firmen, die sich hier niedergelassen haben. Nach unseren Informationen sind es über 70 Firmen. Das ist für unser kleines Land in diesem Markt hier eine recht hohe Anzahl. Vergleichsweise sind wir von der Statistik her gesehen hier in Taiwan nach Holland, England und Deutschland der viertwichtigste europäische Investor -- also mehr als Frankreich oder andere europäische Länder. Umgekehrt gibt es etwa vier taiwanesische Firmen in der Schweiz, also relativ wenig. In dieser Beziehung möchten wir, daß die taiwanesischen Firmen in Zukunft vermehrt Möglichkeiten für ihre Investitionstätigung in der Schweiz ausnutzen.

Unsere Industrie ist ja schon vor hundert Jahren praktisch international geworden, und vor allem in den letzten dreißig Jahren hat das globale Denken eingesetzt, daß eine Firma von einer bestimmten Größe einfach Investitionen im Ausland hat, sei es aus Kostengründen oder zur Erweiterung ihres Tätigkeitsfeldes, Erschließung neuer Märkte usw. Es ist nicht so, daß diese Firmen abgewandert wären, sondern sie haben ihre Wurzeln immer noch in der Schweiz. Das sehen wir zum Beispiel in der Chemie, wo die großen Firmen noch fest in der Schweiz verwurzelt sind und ihre Hauptumsätze heute trotzdem im Ausland haben. Nestlé, die größte Nahrungsmittelfirma der Welt mit Hauptsitz in der Schweiz, hat etwa 2 Prozent des Umsatzes noch in der Schweiz.

Auch das Management von Schweizer Firmen ist bereits recht international: Nur ein Teil der siebzig Schweizer Firmen hier hat noch Schweizer Manager. Sehr viele haben Manager von anderen Nationalitäten oder sogar lokale Manager. Über die Hälfte der Schweizer Firmen hier werden von lokalen Leuten gemanagt. Es hat verschiedene Vorteile, wenn man lokale Leute hier einsetzt, die sich in Südostasien und in China besser auskennen und dementsprechend oft auch kostengünstiger sind, weil etwa die teuren Reisekosten wegfallen. Die Leute sind schneller verfügbar, was der Kunde auch schätzt, vor allem, wenn teure Maschinen stilliegen und diese in der wertvollen Zeit repariert werden müssen. Viele Servicemonteure, die in diesen Ländern eingesetzt werden, kommen nicht aus der Schweiz, sondern werden hier oder in der Schweiz ausgebildet.

Welche Auswirkungen der Finanz- und Wirtschaftskrise in Asien haben Sie in Bezug auf den Handel zwischen der Schweiz und Taiwan feststellen können?

In den Statistiken stellt man beim Vergleich der Zahlen in den letzten Jahren im Zusammenhang mit unseren Exporten nach Taiwan eigentlich keine Asienkrise fest, weil unsere Exporte 1997, 1998 und im ersten Halbjahr dieses Jahres ständig gestiegen sind -- letztes Jahr um 12 Prozent, dieses Jahr um 9 Prozent. Und unsere Zahlen sind schon auf einem relativ hohen Niveau. Aus der Sicht der Schweizer Exportindustrie ist Taiwan sicherlich die Ausnahme in Asien. Auf der anderen Seite hat Taiwan natürlich auch gewisse Schwierigkeiten gehabt und bei seinen eigenen Exporten gewisse Einbußen erlebt.

Investitionen wurden trotz allem getätigt. Lokale Firmen haben diese Gelegenheit benutzt, um Neuinvestitionen zu tätigen und um wieder bereit zu sein, wenn die Nachfrage steigt. Diese Situation haben sie sehr klug ausgenützt, da man wegen der großen Konkurrenz die besten Preise bekommt und auf der anderen Seite die Nachfrage nicht so groß ist, also kann man mit Preisen relativ gut spielen. Man sagt ja immer, man soll in einer Krise investieren, damit man später bei der Zunahme der Nachfrage wieder bereit ist.

Im Konsumgütergeschäft hat man natürlich sehr schnell gemerkt, daß es jetzt nicht mehr so gut läuft. Der Uhrenabsatz beispielsweise hängt sehr stark von der Börsenentwicklung ab: Wenn die Börse gut läuft, läuft auch das Uhrengeschäft gut.

Welche Rolle spielt der Tourismus bei den bilateralen Wirtschaftsbeziehungen?

Seit der eigentlichen Öffnung des taiwanesischen Tourismus im Jahre 1987 ist die Schweiz in Europa für taiwanesische Touristen eines der beliebtesten Destinationsländer geworden. Wir haben schätzungsweise einen Marktanteil von siebzig Prozent bei taiwanesischen Reiseveranstaltern, die Programme nach Europa organisieren. 1990 haben wir etwa 35 000 taiwanesische Touristen in der Schweiz gehabt, heute sind es pro Jahr 70 000 geworden. Der Trend ist eigentlich immer noch im Steigen begriffen.

Für diese sogenannten Europareisen ist die Schweiz relativ leicht erreichbar, und auch vom Image "teures Land" ist die Schweiz ein bißchen abgekommen. Die Schweiz ist heute grundsätzlich nicht mehr das teure Land. In den letzten Jahren haben wir praktisch keine Inflation gehabt, und dementsprechend sind auch die Preise nicht mehr angestiegen.

Auf der anderen Seite ist die Schweiz für die Taiwanesen durch die höhere Kaufkraft ein Shopping-Paradies. Vor allem beim Einkauf von Uhren und sonstigen Prestigeprodukten bietet sie relativ viel. Man kauft sich ein schönes und wertvolles Souvenir aus der Schweiz für sich selber oder für die Familie, und deswegen können auch Geschäfte in der Schweiz von diesem Umstand profitieren.

Taiwan wird häufig mit der Schweiz oder auch mit Österreich verglichen. Zu Unrecht?

Wir haben viele Gemeinsamkeiten auf beiden Seiten. In Zusammenhang mit der Gebietsfläche sind wir sehr ähnlich; Taiwan ist ein bißchen kleiner. Topographisch haben wir Berge, Taiwan hat Berge, bei beiden bis zu drei Viertel von der gesamten Landfläche. In der Industrie hat Taiwan hauptsächlich kleine und mittlere Firmen, in der Schweiz ist es genau das Gleiche. Die Volkswirtschaften sind sehr stark exportorientiert, beide Länder haben keine Bodenschätze -- alles so verschiedene kleine Sachen und trotzdem viele Gemeinsamkeiten.

Mentalitätsunterschiede haben wir dagegen einige, weil Schweizer eher konservativ sind. Taiwanesen sind offener, unternehmungsfreudiger, während die Schweizer ein sehr großes Sicherheitsbewußtsein haben. Sie gehen eher auf Nummer sicher. Taiwanesische Unternehmer sind eher risikofreudiger. Sie möchten lieber heute Geschäfte machen als in zwei bis drei Jahren, weil man später nicht weiß, was man erwarten kann, oder man möchte dann wieder etwas Anderes machen und kann sofort umstellen. Damit bleibt man in dieser Beziehung flexibler.

Gemeinsam ist auch, daß sowohl die Republik China als auch die Schweiz nicht Mitglied der UNO sind.

Für uns ist es ein bißchen paradox -- die Schweiz will nicht, und Taiwan kann nicht! Die Regierung wollte den Beitritt, das Parlament hat ebenfalls dafür entschieden, aber das Volk hat 1986 bestimmt, daß wir nicht der UNO beitreten. Es besteht jetzt eine neue Initiative von der Schweizer Regierung mit dem Ziel, voraussichtlich im Jahre 2003 das Ganze nochmals zur Abstimmung zu bringen. Die gleiche Abstimmungsvorlage kann nicht jedes Jahr vorgebracht werden, oder? Auf der anderen Seite möchte man einfach auch einen formelleren Beitrag zur UNO leisten als nur in den Unterorganisationen, wo wir Mitglied und sehr aktiv engagiert sind, und auch finanziell unseren Beitrag leisten. Das europäische Hauptquartier der UNO ist übrigens immer noch in Genf, was im Prinzip aus der Sicht von Ausländern eben schon ein bißchen ein paradoxer Zustand ist.

Für uns gibt es auch ein ähnliches Problem im Zusammenhang mit der EU, wo wir irgendwie das Gefühl haben, einen bestimmten Teil unserer Neutralität oder unserer Selbstbestimmung aufgeben zu müssen. Was zum Teil auch zutrifft -- wenn man als Vollmitglied in der UNO abstimmt und dafür ist, bei Konflikten in einem Land Friedenstruppen einzusetzen oder bei der Verhängung von Handelsembargos mitzumachen, kann man nicht mehr neutral sein. Als UNO-Mitglied gilt es eine bestimmte Partei zu ergreifen. Man kann nicht nur sagen, das geht uns nichts an, wie dies jetzt als Nicht-Mitglied der Fall ist.

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