07.03.2026

Taiwan Today

Gesellschaft

Gedenkveranstaltung zum 2.28-Jahrestag mit Präsident Lai

03.03.2026
Staatspräsident Lai Ching-te (vordere Reihe, Dritter von rechts) nahm am 28. Februar in der südtaiwanischen Hafenmetropole Kaohsiung an einer Veranstaltung zum 79. Jahrestag der „2.28“-Vorfälle des Jahres 1947 teil. (Foto mit freundlicher Genehmigung des Präsidialamtes)
Wahre gesellschaftliche Versöhnung kann laut Staatspräsident Lai Ching-te nur erreicht werden, wenn historische Fakten anerkannt werden.
 
So äußerte sich das Staatsoberhaupt am 28. Februar in der südtaiwanischen Hafenmetropole Kaohsiung bei einer Gedenkveranstaltung zum 79. Jahrestag der „2.28“-Vorfälle, während der er im Namen von Taiwans Regierung Opfern und ihren hinterbliebenen Familienmitgliedern seine Anteilnahme aussprach. Premierminister Cho Jung-tai und Innenministerin Liu Shyh-fang waren bei der Veranstaltung ebenfalls zugegen, teilte das Präsidialamt mit.
 
Die „2.28“-Vorfälle ereigneten sich im Frühjahr des Jahres 1947 vor dem Hintergrund von Protesten und Forderungen nach staatlichen Reformen. Die vom Militär blutig niedergeschlagenen Unruhen kosteten zahlreiche Zivilisten das Leben und markierten den Beginn von Jahrzehnten unter Kriegsrecht.
 
Die Vorfälle seien die tragischsten Vorkommnisse in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in Taiwan gewesen, definierte Lai und wies darauf hin, dass das Thema während der gesamten 38-jährigen Kriegsrechtsperiode zwischen dem 20. Mai 1949 und dem 15. Juli 1987 tabu gewesen sei. Die Phase des Weißen Terrors, die erst am 16. Mai 1992 mit der Änderung von Paragraph 100 des Strafgesetzbuches endgültig zum Abschluss kam, brachte bürgerliche Gruppierungen dazu, sich für Demokratie einzusetzen, ergänzte Lai.
 
Im September 1986 wurde die Demokratische Progressive Partei (DPP) gegründet, und in ihren Parteirichtlinien hieß es unter Nr. 51, dass alle Parteimitglieder sich um die öffentliche Anerkennung der „2.28“-Vorfälle bemühen müssten. Im Jahr darauf organisierten mehrere hundert Demokratie-Aktivist:innen die erste Demonstration, bei welcher zur Aufarbeitung der Vorfälle und Entschädigung der Opfer aufgerufen wurde.
 
Im Jahr 1992 veröffentlichte der Exekutiv-Yuan — also Taiwans Regierungskabinett — einen Bericht über die „2.28“-Vorfälle, und im Jahr 1996 bat Präsident Lee Teng-hui als erstes taiwanisches Staatsoberhaupt offiziell für die Tragödie um Vergebung. Die späteren Präsident:innen Chen Shui-bian (amtierte 2000-2008), Ma Ying-jeou (amtierte 2008-2016) und Tsai Ing-wen (amtierte 2016-2024) folgten Lees Beispiel.
 
Präsident Lai bekräftigte die Entschlossenheit der Regierung, die Öffnung politischer Archive zu beschleunigen und Übergangsgerechtigkeit weiter umzusetzen, um zu verhindern, dass die Geschichte sich wiederholt.
 
—Quelle: Taiwan Today, 03/02/2026 (POC-E)
—Zuschriften an die Taiwan heute-Redaktion unter taiwanheute@yahoo.com
 

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